Krebsmedikamente Roche-Aktionäre feiern den Forschungsfortschritt

Eine klinische Studie bescheinigt Roches neuer Krebstherapie gute Ergebnisse. In einer Dreifachkombination bremst sie das Fortschreiten von Lungenkrebs. Roche-Scheine legten an der Börse fünf Prozent zu.
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Der Schweizer Pharmakonzern sucht nach neuen Umsatzbringern. Quelle: dpa
Roche

Der Schweizer Pharmakonzern sucht nach neuen Umsatzbringern.

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ZürichDer Krebs-Immuntherapie Tecentriq des Schweizer Pharmakonzerns Roche winkt nach guten Testergebnissen ein Umsatzschub. In einer spätklinischen Studie der Phase III erwies sich die Arznei gegen Lungenkrebs als wirksam und erreichte eines von zwei Hauptzielen. In Kombination mit einer Chemotherapie und dem Roche-Mittel Avastin verringerte Tecentriq das Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinomen (NSCLC), wie der Pharmakonzern aus Basel am Montag mitteilte. Tecentriq empfiehlt sich damit als Erstbehandlung für die Krankheit. Das Medikament ist bereits für die NSCLC-Therapie zugelassen, allerdings nur, wenn zuvor andere Behandlungen keine Wirkung zeigten.

An der Börse lockten die Testergebnisse zahlreiche Investoren an. Die Roche-Genussscheine schnellten um fünf Prozent auf 241,50 Franken in die Höhe. Das Indexschwergewicht zeichnete damit maßgeblich verantwortlich für den kräftigen Anstieg des Schweizer Leitindex in einem verhaltenen internationalen Börsenumfeld. Für Auftrieb sorgten neben den Resultaten der IMpower150 genannten Tecentirq-Studie auch neue Testergebnisse für das erst in der vergangenen Woche zugelassenen Hämophilie-Medikament Hemlibra. Das Mittel erwies sich bei einer weiteren Patientengruppe als wirksam.

Es sei das bestmögliche Szenario sowohl bei der Tecentriq- als auch der Hemlibra-Studie, erklärten die Analysten von Jefferies. Die Experten von Bernstein sprachen von einer "großen Erleichterung" für die vor allem wegen Tecentriq nervösen Anleger. Die Analysten von Natixis erhöhten das Roche-Kursziel auf 300 von 285 Franken und bekräftigten die Empfehlung "Buy".

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Für das zweite Hauptziel der IMpower150-Studie - eine Lebensverlängerung der Patienten - zeigten die ersten Beobachtungen Roche zufolge ebenfalls ermutigende Ergebnisse. Mehr Daten dazu wollen die Schweizer im ersten Halbjahr 2018 veröffentlichen. Die Studie verglich die Wirkung der Dreifachkombination Tecentirq, Avastin plus Chemotherapie mit einer Behandlung durch Avastin plus Chemotherapie.

Roche setzt unter anderem auf seine erste Krebs-Immuntherapie, Hemlibra, und das Medikament Ocrevus gegen Multiple Sklerose, um drohende Einbußen bei drei wichtigen Umsatzbringern aufzufangen: Für die biotechnologisch hergestellten Krebsmedikamente MabThera, Herceptin und Avastin, die gut 40 Prozent des Konzernumsatzes beisteuern, stehen sogenannte Biosimilars in den Startblöcken.

Doch Tecentriq, dem Analysten dieses Jahr etwa 500 Millionen Dollar Umsatz zutrauen, tut sich bislang schwer gegen die früher auf den Markt gekommenen und besser etablierten Krebs-Immuntherapien Keytruda von Merck und Opdivo von Bristol-Myers Squibb. Die beiden US-Konzerne untersuchen ebenfalls Kombinationstherapien zur Lungenkrebsbehandlung, deren Resultate allerdings erst kommendes Jahr beziehungsweise 2019 erwartet werden. Im Juli hatte ein Rückschlag des britischen AstraZeneca-Konzerns Zweifel am Potenzial von Kombinationen aus Krebs-Immun- und Chemotherapien geweckt.

  • rtr
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