Krebsmittel Satraplatin
GPC erleidet schweren Rückschlag

Das Biotechnologieunternehmen GPC Biotech und dessen Vermarktungspartner Pharmion haben in einer wichtigen Zulassungsstudie mit dem ehemals als Hoffnungsträger gehandelten Krebsmittel Satraplatin erneut einen schweren Rückschlag erlitten. Der GPC-Aktienkurs brach daraufhin dramatisch ein.

dpa-afx MARTINSRIED. "Wir werden für die USA keinen weiteren Antrag auf Zulassung stellen", sagte ein GPC Biotech-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Vor Börsenstart brach der Titel bei Lang & Schwarz bereits um 42 Prozent ein. Die nun veröffentlichten Daten zur Gesamtüberlebenszeit hätten keine statistische Signifikanz erreicht, hatte GPC Biotech in der Nacht zum Mittwoch mitgeteilt. Daraufhin brach der Aktienkurs am Vormittag um über 60 Prozent ein.

Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern steht Satraplatin, von dem sich GPC Biotech einmal einen Spitzenumsatz von mehr als 500 Mill. Dollar erhofft hat, damit vor dem Aus. Branchenbeobachter rechnen nach dem erneuten Tiefschlag für GPC Biotech nun nicht mehr nur mit einer weiteren Verzögerung wie nach der ersten Hiobsbotschaft im Juli, sondern mit dem endgültigen Ende für das Mittel. "Die Zulassung in Europa ist damit mehr als fraglich und die GPC-Story wirft mehr Fragen auf als je zuvor", sagte ein Frankfurter Analyst.

GPC Biotech prüft laut Mitteilung nun die weiteren Pläne für Satraplatin. Auch das erweiterte Zugangsprogramm (Expanded Access Program) Spera in den USA stehe auf dem Prüfstand. In der Sparc-Studie (Satraplatin and Prednisone Against Refractory Cancer) wurde Satraplatin in Kombination mit Prednisone im Vergleich zu Placebo in Kombination mit Prednisone als eine Zweitlinien-Chemotherapie bei 950 Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs untersucht. "Wir sind außerordentlich enttäuscht über die Ergebnisse", wird Bernd Seizinger, Vorstandschef von GPC Biotech, in der Mitteilung zitiert. In Europa hat GPC Biotech-Partner den Antrag auf Marktzulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde im Juni 2007 gestellt. "Diese Ergebnisse sind eindeutig enttäuschend und werden offensichtlich die Prüfung durch die Emea für Satraplatin beeinflussen", sagte Pharmion-Chef Patrick Mahaffy.

Ende Juli war die Aktie von GPC Biotech nach einem negativen Votum eines Beraterausschusses der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, der Satraplatin damals eine schnelle Zulassung und somit die Hoffnung auf erste Medikamentenumsätze mit Satraplatin in 2007 verwehrte, um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Der Ausschuss "Oncologic Drugs Advisory Committee" (Odac) war damals einstimmig zu der Überzeugung gekommen, die Analyse der endgültigen Überlebensdaten abzuwarten. Danach solle entschieden werden, ob der Antrag für Satraplatin zur Zweitlinien-Chemotherapie von Patienten mit Prostatakrebs eine Zulassung erhalten wird. Einige Analysten hatten daraufhin die Wahrscheinlichkeit, dass das Mittel überhaupt noch auf den Markt kommt, von 90 Prozent auf 50 Prozent und weniger gesenkt.

GPC Biotech hatte daraufhin einen drastischen Stellenabbau und die Senkung der Prognose für 2007 angekündigt. Im laufenden Jahr rechnet die im TecDax notierte Gesellschaft, die bisher noch kein Medikament auf dem Markt hat, nun mit einem Umsatz von 17 bis 19 Mill. Euro. Zuvor wurde der Erlös auf dem Vorjahresniveau von 22,7 Mill. Euro gesehen. Zum Jahresende 2007 werden liquide Mittel, kurzfristig veräußerbare Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens in Höhe von zirka 60,0 Mill. Euro erwartet.

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