Krebsmittel von Merck Eine Studie mit Milliarden-Effekt

Das Krebsmittel Keytruda des US-Konzerns Merck & Co liefert gute Ergebnisse und steigert den Börsenwert des Unternehmens um gut zehn Milliarden Dollar. Damit erhöhen die Amerikaner den Druck auf die Konkurrenz.
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Das Krebsmedikament Keytruda könnte sich für den US-Konzern Merck & Co zum Umsatzbringer entwickeln. Quelle: AP
Merck macht Kasse

Das Krebsmedikament Keytruda könnte sich für den US-Konzern Merck & Co zum Umsatzbringer entwickeln.

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FrankfurtGute klinische Daten sind nach wie vor die härteste Währung für Investoren im globalen Pharmageschäft. Das bestätigt sich jetzt einmal mehr beim amerikanischen Pharmariesen Merck & Co, der am Dienstag mit einem überraschend positiven Resultat für sein Krebsmittel Keytruda aufwartete und daraufhin an der Börse rund sieben Prozent Kursgewinn verbuchte. Das entspricht im Falle Merck etwa zehn Milliarden Dollar an zusätzlichem Börsenwert.

In einer größeren Studie bei Lungenkrebspatienten konnte Keytruda in Kombination mit klassischen Chemotherapien sowohl das Überleben der Patienten ohne Krankheitsfortschritt als auch das Gesamtüberleben deutlich verlängern, wie Merck mitteilte. Genauere Daten will der Konzern in den nächsten Monaten auf einer Fachkonferenz präsentieren.

Keytruda ist eines der Topprodukte unter den Krebsimmun-Medikamenten, die darauf zielen, das Immunsystem gegen Krebszellen zu aktivieren, und in den letzten Jahren für einige Furore in der Pharmabranche gesorgt haben. Der Wirkstoff von Merck & Co ist bereits für den Einsatz gegen mehrere Krebsarten zugelassen, darunter – im Rahmen einer vorläufigen Genehmigung – auch gegen Lungenkrebs. Doch nachdem der US-Konzern im vergangenen Herbst überraschend die wichtige Lungenkrebs-Studie Keynote-189 modifizierte und neue Zielpunkte festlegte, waren bei Investoren Zweifel aufgekommen, wie gut das Mittel tatsächlich bei Lungenkrebs wirkt.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Diese Skepsis hat Merck & Co nun offenbar beseitigt. „Onkologen, die bisher zauderten, die Keytruda-Chemo-Kombination zu verordnen, dürften nun genügend Vertrauen haben, dass der Überlebensvorteil bei dem Produkt real ist“, heißt es in einem Kommentar der britischen Pharma-Analyse-Firma Evaluate Pharma. 

Es geht um einen Markt, der nach Schätzung von Analysten Anfang des nächsten Jahrzehnts mehr als zehn Milliarden Dollar groß sein könnte. Merck & Co, so die Erwartung, dürfte auf Basis der guten Testdaten mit seinem Produkt Keytruda eine führende Position erobern und könnte nach Erwartung von Analysten im Jahr 2022 mehr als fünf Milliarden Dollar Umsatz alleine im Bereich Lungenkrebs erzielen.

Verlierer in diesem Kampf um Marktanteile in der Krebsimmuntherapie sind aus Sicht des Kapitalmarktes vor allem die Konzerne Roche und Bristol-Myers Squibb (BMS) mit ihren Konkurrenzprodukten Tecentriq und Opdivo. Ihre Aktien gaben denn auch am Dienstag um drei bis vier Prozent nach, was wiederum einem Verlust von insgesamt gut zehn Milliarden Dollar an Börsenwert entsprach.

Auch für die deutsche Merck KGaA ist die starke Performance von Keytruda eine eher ungünstige Nachricht, auch wenn der Aktienkurs davon am Dienstag völlig unberührt blieb. Der Darmstädter Konzern, der mit der US-Firma Merck & Co keinerlei Verbindung mehr hat, verfolgt auf dem Feld der Krebsimmun-Therapie ebenfalls einige Ambitionen und testet seinen eigenen Wirkstoff Bavencio in Kooperation mit dem Partner Pfizer unter anderem auch in der Behandlung von Lungenkrebs. Je stärker die klinische Performance der Konkurrenzprodukte ist, desto schwieriger dürfte es jedoch für Merck und  Pfizer werden, Bavencio noch in diesem lukrativen Segment zu positionieren. Die starken Daten für das US-Produkt sprechen vielmehr dafür, dass Merck auf diesem Gebiet allenfalls noch eine Nischenrolle spielen kann.

Bavencio (Wirkstoff: Avelumab) ist bisher gegen eine seltene Form von Hautkrebs und gegen Blasenkrebs zugelassen. Merck und Pfizer testen das Mittel darüber hinaus in einer ganzen Reihe weiterer Krebsarten, darunter Lungen-, Nieren-, und Eierstockkrebs. In einem Test gegen Magenkrebs zeigte das Mittel vor wenigen Wochen keinen Vorteil gegenüber der etablierten Therapie.

Insgesamt werden Krebsimmun-Wirkstoffe derzeit in Hunderten von klinischen Studien geprüft, vielfach dabei in Kombination mit anderen etablierten Medikamenten. In diesen Tests dürfte sich im Laufe der nächsten Jahre entscheiden, wer welche Marktanteile in dem Geschäft erobern wird, das nach Erwartung von Analysten insgesamt einmal mehr als 30 Milliarden Dollar schwer werden kann. Derzeit liegen die US-Konzerne BMS und Merck & Co mit mehr als acht Milliarden Dollar Umsatz auf dem Feld klar in Führung, gefolgt von Roche, Astra Zeneca sowie der deutschen Merck und Pfizer. Zahlreiche weitere Firmen arbeiten an ähnlichen Substanzen und an alternativen Verfahren wie Impfstoffen und Zelltherapien.

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