Kreditauflagen
Continental verschiebt Gehaltszahlungen

Die Beschäftigten des Autozulieferers Continental müssen sich auf eine verspätete Lohnzahlung einstellen: Das hoch verschuldete Unternehmen lässt seine Mitarbeiter auf ihr Geld warten, um Probleme mit seinen Gläubigern zu vermeiden.

HB HANNOVER. Die Gehälter sollten statt Ende Juni nun Anfang Juli ausgezahlt werden, sagte eine Conti-Sprecherin am Freitag und bestätigte einen Vorabbericht der „Bild“-Zeitung. „Damit ergibt sich Spielraum.“ Denn die Einhaltung der Kreditauflagen (Covenants) wird zum 30. Juni berechnet. Durch die zum ersten Mal in der Konzerngeschichte angeordnete Verschiebung der Gehaltszahlungen an seine 45 000 Mitarbeiter in Deutschland hat Conti zum Stichtag mehr Geld in der Kasse. Damit vermeidet das Unternehmen Kredit-Neuverhandlungen, die höhere Zinsen zur Folge haben könnten.

Ein Finanzengpass besteht nach Contis Angaben aber nicht. „Wir haben noch immer ein Liquiditätspolster von 2,9 Milliarden Euro“, sagte die Conti-Sprecherin. „Mitarbeiter, die aufgrund der verspäteten Zahlung Probleme mit Banken oder Vermietern zu bekommen drohen, werden wir nicht im Regen stehenlassen.“ Die Conti-Aktie stürzte nach der Mitteilung zeitweise vier Prozent ins Minus, erholte sich dann aber und ging nahezu unverändert aus dem Handel.

Conti ächzt seit der Übernahmen der Autoelektronik-Sparte Siemens VDO unter einer Schuldenlast von rund elf Milliarden Euro. Durch die Absatzkrise in der Autobranche ist bei Conti das Geschäft eingebrochen. Im ersten Quartal verlor Conti 267 Millionen Euro bei einem Umsatzrückgang um 35 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Bei der Vorlage der Zahlen der ersten drei Monate hatte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann allerdings erklärt, trotz der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung und der bestehenden Unsicherheiten sei Conti zuversichtlich, die Kreditvereinbarungen im Jahresverlauf einhalten zu können.

Mit seinen Schuldenproblemen macht Conti seinem Großaktionär Schaeffler weiter wenig Freude. Das fränkische Familienunternehmen hatte sich mit der Conti-Übernahme verhoben und wird von einer ähnlich hohen Schuldenlast gedrückt. Beide Firmen suchen derzeit nach einem Ausweg aus der Klemme. Als wahrscheinliche Lösung gilt die Zusammenführung der beiden Unternehmen, wobei das operative Geschäft von Schaeffler in die Continental AG eingebracht werden soll. Kreisen zufolge sollen dabei sollen Conti so viele neue Schulden aufgebürdet werden, wie Schaeffler wert ist. Bislang hoffen die Firmen, ohne Staatshilfe auszukommen.

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