Kreditbedingungen gefährdet
Kion verhandelt mit den Banken

Die weltweite Rezession und der damit verbundene Geschäftseinbruch zwingen den Gabelstapler-Hersteller Kion zu Nachverhandlungen mit seinen Banken. Von einem Liquiditätsproblem ist der Konzern zwar weit entfernt, allerdings drohen die Kreditbedingungen kurzfristig gebrochen zu werden.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die weltweite Rezession und der damit verbundene Geschäftseinbruch zwingen den Gabelstapler-Hersteller Kion zu Nachverhandlungen mit seinen Banken. Mehreren Beteiligten zufolge droht das Unternehmen, das die Finanzinvestoren Goldman Sachs und KKR Ende 2006 für vier Mrd. Euro dem Gasekonzern Linde abgekauft hatten, in der zweiten Jahreshälfte wegen eines kräftigen Ergebnisrückgangs die Kreditbedingungen (Covenants) zu brechen. "Die Covenants müssen angepasst werden", sagte ein Insider. "Bis zum Herbst soll eine Lösung gefunden werden."

Kion wollte sich zu den Informationen nicht explizit äußern. "Wir informieren unsere Finanzpartner regelmäßig über den aktuellen Geschäftsverlauf", sagte ein Unternehmenssprecher. Das Unternehmen, mit einen Umsatz von 4,6 Mrd. Euro im Jahr 2008 nach Toyota weltweit der zweitgrößte Hersteller von Gabelstaplern, könne sich dem rund 50-prozentigen Markteinbruch nicht komplett entziehen. Zuletzt habe es aber sogar deutlich Marktanteile gewinnen können. KKR und Goldman Sachs äußerten sich nicht.

Der Kion-Deal gilt als eine jener großen Transaktion, die in den Monaten vor dem Ende des Private-Equity-Booms in Deutschland umgesetzt wurden. Finanzinvestoren kaufen Unternehmen unter Zuhilfenahme hoher Schulden und bürden diese dem Akquisitionsziel auf. Oft wurde dabei ein zu optimistischer Geschäftsplan zugrundegelegt, so dass die Firmen nun in der Krise die Zinsen nicht mehr bezahlen können. Beispielsweise ringt der von Bain Capital viel zu teuer erworbene Bootshersteller Bavaria Yachtbau derzeit mit der Insolvenz.

Von einer solchen prekären Situation ist Kion aber weit entfernt. Der Wiesbadener Konzern kann Finanzkreisen zufolge nach wie vor problemlos seine Zinsen begleichen. Die Tilgung der Nettoschulden von zuletzt gut 2,4 Mrd. Euro fällt zudem erst in über fünf Jahren an - es handelt sich dabei um so genannte endfällige Strukturen. Kion bereiten vielmehr formale Vorgaben Kopfschmerzen: Wegen der Wirtschaftskrise liegt der operative Gewinn (Ebitda) Branchenkreisen zufolge derzeit rund 50 Prozent unter dem Plan. Der Nettogewinn liegt knapp über der Nulllinie. Damit droht das Unternehmen bestimmte Vorgaben zu reißen, die das Ergebnis ins Verhältnis zur Verschuldung setzen. "Für das zweite Quartal ist das kein Problem", hieß es in Finanzkreisen. In den kommenden Quartalen sei ein Covenant-Bruch aber wahrscheinlich. Dies gilt umso mehr, als mit einem Ende der Krise für 2009 noch nicht gerechnet wird.

Kion hat deshalb bereits eine umfangreiche Restrukturierung des Geschäfts angekündigt. So schließt das Unternehmen zwei Werke, eines in Reutlingen und eines in der Nähe von London. 1 700 der rund 8 000 in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter sollen in eine Servicegesellschaft ausgegliedert werden. In Deutschland arbeiten bereits rund 7 000 Beschäftigte kurz, im Durchschnitt 30 Prozent. Betriebsbedingte Entlassungen sind in Deutschland durch ein Beschäftigungssicherungsabkommen bis Ende 2011 im Prinzip nicht möglich. Im Ausland beschäftigt Kion rund 12 000 Personen.

Problematisch für Kion könnte sein, dass die Kredite, die unter anderem von Unicredit, Barclays und Goldman arrangiert wurden, damals noch aussyndiziert wurden. Damit liegen sie weit verstreut. Kion habe mehr als 250 Gläubiger, hieß es in Finanzkreisen. Deren Interessen werden in der Regel von Vertretern gebündelt.

Wahrscheinlich ist, dass Kion mit den Gläubigern neue Covenants verhandelt, die dem Unternehmen mehr Spielraum bei einem sinkenden operativen Ergebnis geben. In der Regel verlangen diese im Gegenzug eine so Waiver-Fee genannte Zahlung. Zugleich bestehen die Gläubiger mitunter aber auch auf neue Finanzierungsstrukturen, etwa höhere Zinsen. Ein Eigenkapitalnachschuss von Goldman oder KKR ist Beteiligten zufolge aktuell kein Thema. "Kion braucht kein zusätzliches Geld", hieß es.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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