Kreditbetrugsprozess
Ex-Porsche-Finanzchef fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr, doch der ehemalige Porsche-Finanzchef Holger Härter ist sich keiner Schuld bewusst. Er fordert seinen Freispruch.
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StuttgartKurz vor Urteilsverkündung im Prozess wegen Kreditbetrugs hat der ehemalige Porsche-Finanzchef Holger Härter einen Freispruch gefordert. Härter sagte am Montag in seinem letzten Wort als Angeklagter vor dem Landgericht Stuttgart, etwas anderes als einen Freispruch würde er „nicht verstehen“. Er habe Anfang 2009 in den Verhandlungen über die Verlängerung eines Milliardenkredits entgegen der Meinung der Anklage alle Anfragen der französischen Bank BNP Paribas "mit bestem Wissen und Gewissen" richtig beantwortet und würde „nochmals gleich antworten“. Die Wirtschaftsstrafkammer will am Dienstag ihr Urteil fällen, der Prozess hatte Anfang September begonnen (Az: 11 KLs 159 Js 77250/11).

Die Staatsanwaltschaft fordert in dem seit September laufenden Prozess eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe ausgesetzt werden könne. Der Mitangeklagte Christian N., der damals Härters Untergebener war und noch immer bei der Porsche Holding als Finanzmanager arbeitet, soll als Mittäter zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 750 Euro verurteilt werden. Auch er wies am Montag über seine zwei Anwälte die Vorwürfe nochmals zurück und ließ diese ebenfalls einen Freispruch für sich fordern.

Die beiden Angeklagten sollen bei den Verhandlungen über die Verlängerung eines Kredits über zehn Milliarden Euro den Liquiditätsbedarf, der sich bei der Ausübung der von Porsche gehaltenen Kaufoptionen auf VW-Stammaktien ergeben hätte, mit 4,1 Milliarden Euro um etwa 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben haben. Zudem sind die Strafverfolger überzeugt, dass die beiden Angeklagten rund 45 Millionen von Porsche veräußerte Verkaufsoptionen auf VW-Stammaktien verschwiegen und die Bank damit ebenfalls falsch über das Kreditrisiko informierten. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

Eine von der Staatsanwaltschaft als Beweis für den Kreditbetrug eingestufte und mit englischen Finanzbegriffen gespickte E-Mail an die Bank, die Härter und sein Mitarbeiter Anfang März 2009 an die Frankfurter Niederlassung der BNP schickten, ist aus Sicht der Verteidigung für den Kredit nicht relevant: Denn die Pariser Zentrale der Bank - der allein die Entscheidung über Beteiligung an dem Konsortialkredit oblag - hatte nach Zeugenaussagen zum Zeitpunkt der Auskunft dem besicherten Kreditbetrag über 500 Millionen Euro bereits bedingungslos zugestimmt. Die Bank war an dem vorherigen, unbesicherten Konsortialkredit mit einem höheren Betrag beteiligt und wollte laut Zeugen die Geschäfte mit Porsche und VW ausbauen. Die Staatsanwaltschaft sieht den Kredit hingegen erst mit der neun Tage später erfolgten Vertragsunterzeichnung in trockenen Tüchern - und in der vorherigen angeblich falschen Erklärung einen betrügerischen Akt.

Der Bank fühlt sich laut Zeugenaussagen nicht getäuscht und nicht geschädigt. Porsche bediente den Kredit und arbeitet mit dem Institut noch immer zusammen. Härter hatte gemeinsam mit dem ebenfalls 2009 geschassten Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking seit 2005 die Übernahme von VW betrieben. 2009 scheiterten die beiden Manager mit ihrem Plan aber an der Finanzkrise. Seit Mitte vergangenen Jahres gehört die Automarke Porsche ganz zu VW. Die von den Familien Piech und Porsche kontrollierte und börsennotierte Porsche Holding ist weiterhin der größte VW-Anteilseigner und hält die Mehrheit der Stimmrechte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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