Kredite der Industrie
Konzerne stützen ihre Kunden

Banken vergeben derzeit nur selten Kredite. Um die Nachfrage zu sichern, leihen immer mehr große Industriekonzerne ihren Firmenkunden Geld für ihre Investitionen. Experten freuen sich über diese Entwicklung: Unternehmen könnten die Branchenlage oft besser einschätzen als die Banker. Trotzdem bleibt ein Risiko.

MÜNCHEN. Bei Auftrag Geld: Immer mehr große Industriekonzerne greifen ihren Kunden angesichts der Finanzkrise unter die Arme. Siemens, MAN, EADS und andere international tätige Unternehmen geben ihren Abnehmern zunehmend Kredite. „Das ist die Stunde der Absatzfinanzierung“, sagt Arno Städtler vom Münchener Ifo-Institut.

In vielen Bereichen sei die Nachfrage trotz Rezession ungebrochen, meint der Experte. Allerdings liehen die Banken derzeit auch soliden Unternehmen nur sehr zögerlich Geld. „Früher haben sich die Banken scharenweise darauf gestürzt, Projekte unserer Kunden zu finanzieren“, sagt Dominik Asam, Chef von Siemens Financial Services. Dies sei aber vorbei. Deshalb springt der Münchener Technologiekonzern ein und vergibt selbst Darlehen.

Im Firmenkundengeschäft sei die Kreditklemme längst da, warnt Klaus Fleischer, Bank-Professor an der Hochschule München. „Insbesondere für den Mittelstand wird es schwierig, für langlebige Investitionsgüter Kredite zu bekommen.“ Der Staat werde hier kaum helfen können, fürchtet Fleischer.

In der Investitionsgüter-Branche werden die meisten Anlagen über Kredite finanziert. Daher seien viele Konzerne gezwungen, in der momentanen Situation ihre Kunden zu unterstützen. „Wenn Marktanteile gehalten werden sollen, dann nur über verstärkte Absatzfinanzierung,“ betont Fleischer.

So zwingt die Flaute im Lkw-Geschäft auch MAN dazu, den Spediteuren immer öfter einen Kredit zu geben. Laut Finanzchef Karlheinz Hornung sollen die Finanzierungsvorhaben in diesem Jahr um 400 Mio. auf 1,8 Mrd. Euro hochgefahren werden. „Wir sehen das Finanzgeschäft als Wachstumssparte“, sagt ein Sprecher. Im August besorgte sich der Konzern sogar eine Banklizenz.

Beim Flugzeugbauer Airbus beobachtet man die Entwicklung genau. Doch die deutsch-französische Firma gibt sich demonstrativ gelassen. „Sicherlich kann jetzt hier und da für Airbus wie Boeing die Notwendigkeit entstehen, unterstützend einzugreifen“, betont ein Sprecher in Toulouse. Insgesamt verfüge die Muttergesellschaft EADS derzeit über neun Mrd. Euro, die sie auch für Kundenfinanzierung nutzen könne, sagte Finanzchef Hans-Peter Ring. Doch der Konzern bewegt sich auf einem niedrigen Niveau: Mit 1,2 Mrd. Euro lagen die Kundenfinanzierungen 2007 bei der EADS auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Zum Vergleich: Der Konzern hat Aufträge von 350 Mrd. Euro in den Büchern.

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