Kredite
Rating-Herabstufung wird für Conti teuer

Der finanzielle Spielraum des hochverschuldeten Autozulieferers Continental wird noch enger. Durch die Herabstufung des Kreditratings steigen die Kreditkosten nach Informationen des Handelsblatts um einen zweistelligen Millionenbetrag von bis zu 50 Millionen Euro.

ax/iw/mcs MÜNCHEN/HAMBURG. Der Großaktionär Schaeffler will die Belastungen nicht übernehmen. Ende vergangener Woche hatte die Ratingagentur Standard & Poor's das Langfristrating von Conti auf „B+“ gesenkt. Es drohen weitere Verschlechterungen, da der Ausblick negativ ist. „Die Schritte spiegeln unsere Besorgnis wider über den Einfluss von Schaeffler auf die Strategie und Kreditqualität von Conti nach dem Managementwechsel“, erklärte S&P. „Wir glauben, dass Contis Liquiditätsrisiken steigen.“ Durch die Ablösung von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann und die Berufung von Elmar Degenhart zum Nachfolger werde es Conti schwerer haben, die Mitte 2010 fällige Kredittranche von 3,5 Milliarden Euro zu refinanzieren.

Die Herabstufung führt zu höheren Kreditkosten. In Branchenkreisen ist von 50 Mio. Euro die Rede. Im Umfeld des Unternehmens hieß es, es seien deutlich über 20, aber weniger als 50 Mio. Euro.

In Industriekreisen wurde nun spekuliert, dass Schaeffler die Summe tragen muss. Der Großaktionär habe sich in der Investorenvereinbarung zu einem Nachteilsausgleich verpflichtet – und müsse daher Nachteile für Conti tragen, die durch sein Einwirken entstanden seien.

Bei Schaeffler wurde die Forderung aber entschieden zurückgewiesen. „Zu diesem Punkt gibt es in der Investorenvereinbarung keinerlei Verpflichtung“, sagte ein Konzernsprecher gestern.

Eine Mehrbelastung von 50 Mio. Euro im Jahr müsste für einen Konzern von der Größe Contis normalerweise zu stemmen sein. Allerdings ist die finanzielle Lage des Autozulieferers ausgesprochen angespannt. Ende Juni musste der hochverschuldete Konzern die Gehaltszahlungen um ein paar Tage hinauszögern, um im zweiten Quartal nicht die Kreditvereinbarungen (Covenants) mit den Banken zu reißen. Zur aktuellen finanziellen Lage sagte ein Conti-Sprecher gestern lediglich: „Wir haben in den ersten zwei Quartalen hart daran gearbeitet, unsere Covenants zu halten und wir werden auch in den diesem Quartal hart daran arbeiten.“

In der vergangenen Woche war es dem Conti-Großaktionär Schaeffler gelungen, Vorstandschef Neumann im zweiten Anlauf zu stürzen. Nach der Wahl von Schaeffler-Manager Degenhart zum Nachfolger werden nun noch ein Finanzvorstand und ein Aufsichtsratsvorsitzender für Conti gesucht. In Branchenkreisen wurde gestern bekräftigt, dass die Entscheidung über den neuen Chefkontrolleur noch nicht gefallen ist. Favorit ist derzeit nach Handelsblatt-Informationen Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Nach Einschätzung in Branchenkreisen könnte der Wechsel an der Aufsichtsratsspitze im Oktober über die Bühne gehen. Der amtierende Chefkontrolleur Rolf Koerfer, der wegen seiner Nähe zu Schaeffler umstritten ist, hat seinen Rückzug angekündigt, sobald ein Finanzvorstand gefunden ist.

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