Kreditklemme
Finanzkrise bringt Übernahmen zum Kippen

Die Finanzkrise und die dadurch verursachte Kreditklemme bringt immer mehr Übernahmepläne von Unternehmen zum Kippen. Die Vertrauenskrise unter den Banken führt nur zu sehr zurückhaltenden Finanzierungszusagen. Hiervon ist neben BASF auch der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata betroffen. Die beiden Beispiele zeigen, dass nun auch die strategischen Käufer durch die Turbulenzen unter Druck geraten.

FRANKFURT/LONDON. Am Mittwoch teilte der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata mit, doch kein Angebot für das Platinunternehmen Lonmin abzugeben. Xstrata-Chef Mick Davis begründete dies ausdrücklich mit der Unsicherheit über die Finanzierung des Deals. Nur einen Tag zuvor hatte der Finanzinvestor Montagu den Verkauf des Wund-Spezialisten BSN Medical abgeblasen, weil er den Finanzierungszusagen der Interessenten nicht traute.

"Bei großen Transaktionen jenseits von einer Milliarde Euro ist es unheimlich schwer: Man bekommt von den großen internationalen Banken einfach kein Geld mehr. Das hat mit der Qualität der Unternehmen oder der Transaktionen nichts zu tun", berichtet Fred Strottmann von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte.

Da die Finanzkrise in erster Linie eine Vertrauenskrise unter den Banken ist, sind diese sehr zurückhaltend bei der Zusage von Finanzierungen. Bislang hatte dies vor allem die Finanzinvestoren getroffen, die ihre Übernahmen zum weitaus größten Teil über Bankkredite finanzieren. So versucht der von Apollo kontrollierte Chemiekonzern Hexion seit Monaten, aus der 6,5 Mrd. Dollar schweren Übernahme des US-Konzerns Huntsman auszusteigen, weil man dessen Insolvenz fürchtet. Ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware urteilte nun jedoch, dass Hexion kein Recht habe, den Vertrag aufzulösen.

Auch die seit Monaten diskutierte Übernahme des britischen Finanzinformationskonzerns Informa fällt flach, weil sich das Finanzinvestoren-Konsortium aus Providence, Blackstone und Carlyle zurückgezogen hat. Derzeit sei es schwer, eine solche Übernahme zu finanzieren, hieß es zur Begründung.

Der Fall Xstrata belegt, dass nun auch die strategischen Käufer durch die Turbulenzen unter Druck geraten. So ist der geplante Verkauf der BASF-Sparte Styrol-Kunststoffe blockiert. Denn als Hauptinteressent gilt der niederländische Kunststoffhersteller Lyondell Basell, der ohnehin bereits sehr hoch verschuldet ist und wohl keinerlei Chancen hat, zusätzliche Kredite aufzunehmen. Und in den USA hat der Spielzeughersteller RC2 seinen Plan, einen Kinderbuchverlag zu kaufen, über Bord geworfen.

Übernahmeberater sehen bereits eine neue Welle auf die M&A-Branche zurollen: die nachträgliche Neubewertung bereits abgeschlossener Deals. "Wir sehen eine steigende Zahl von Fällen, in denen Käufer bei abgeschlossenen Transaktionen eine nachträgliche Reduzierung des Kaufpreises dadurch erreichen wollen, dass sie verstärkt Gewährleistungen in Anspruch nehmen oder sogar Betrugsvorwürfe erheben", berichtet Matthias Horbach, Partner der Anwaltssozietät Skadden Arps Slate Meagher & Flom.

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