Kreditklemme
Schiffbauer stehen Schlange bei KfW

Die Weltrezession bringt nach den Autobauern nun auch die Werften in Finanzierungsschwierigkeiten. Während die großen Schiffsbauer Kredite bei der KfW beantragt haben, mussten einige kleinere Werften bereits Insolvenz anmelden. Insbesondere der Ausfall der HSH Nordbank verschärft die Kreditklemme.

FRANKFURT/BERLIN. Nach der Autoindustrie geraten nun auch mehr und mehr Werften in finanzielle Schieflage und wenden sich Hilfe suchend an das Bundeswirtschaftsministerium. Sogar das Branchenschwergewicht Thyssen-Krupp verhandelt inzwischen über Finanzierungshilfen aus den Programmen der staatseigenen KfW für den Weiterbau von Containerschiffen an den Standorten Kiel und Emden. Vier kleinere Werften – Cassens, SMG, SSW und Lindenau – haben bereits Insolvenz beantragt. Bei der kleinen Spezialwerft Lindenau fiel der Stapellauf des größten jemals dort gebauten Schiffes mit dem Insolvenzantrag zusammen.

„Wir versuchen, im Fall der Containerschiffe alle Beteiligten möglichst schnell im Wirtschaftsministerium an den Tisch zu bekommen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Dagmar Wöhrl (CSU) dem Handelsblatt. „Für die ostdeutschen Werften haben wir bereits Lösungen gefunden.“ Ein KfW-Sprecher bestätigte, dass es neben der Autoindustrie der Schiffbau ist, bei dem fast die gesamte Branche um Hilfen nachsucht. Beim Maschinenbau oder anderen exportabhängigen Branchen handele es sich dagegen bisher nur um einzelne Firmen, die beim Staat anklopften. „Die Krise begann in Mecklenburg-Vorpommern und wandert jetzt von Ost nach West die Küsten entlang“, beschreibt ein Schiffbauexperte die Lage.

Auslöser der Werftenkrise ist der Einbruch des Welthandels, der zuerst bei den Reedereien Panik auslöste: Sie hatten im Aufschwung für viel Geld Schiffe in Auftrag gegeben – und noch Ende 2008 wiederum 29 Aufträge storniert. Weitere Stornierungen dürften folgen, fürchtet der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM).

Zusätzliche Schwierigkeiten bereitet den Schiffbauern die branchenübliche Finanzierung: Während der Bauzeit eines Schiffes erhalten sie maximal ein Fünftel des Kaufpreises als Anzahlung, der Rest kommt erst bei Ablieferung des Schiffs herein. Experten schätzen den Finanzbedarf der Branche hier zu Lande in diesem Jahr auf zwei bis drei Mrd. Euro. Vor dem Hintergrund der internationalen Krise verlangen die Banken jetzt langjährige Charterverträge, um die Bauphase zu finanzieren.

Hinzu kommt, dass die HSH Nordbank wegen ihrer eigenen Schieflage in den vergangenen Monaten ausgefallen ist. „Die HSH Nordbank ist der größte Schiffsfinanzierer gewesen. Wir hoffen, dass sie mit Umsetzung ihres Rettungspakets zurückkehrt“, sagte Wöhrl. Die HSH wiederum leidet darunter, dass die Schiffsfinanzierung viel risikoreicher ist als vor einem Jahr – ein Teufelskreis. Auch die KfW macht in der Regel langjährige Charterverträge zur Bedingung bei der Schiffbaufinanzierung.

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