Kreditveräußerung
General Motors verschafft sich Luft

Die Finanzsparte von General Motors verkauft Autokredite in Milliardenhöhe an eine kanadische Bank. Das Geschäft ist Teil des Überlebenskampfs des US-Autobauers. Wie schlimm es um den Konzern steht, haben die GM-Mitarbeiter in Oklahoma am eigenen Leib erfahren.

HB NEW YORK. Die Finanzsparte GMAC und die Bank of Nova Scotia vereinbarten am Montag, dass die Bank fünf Jahre lang Autofinanzierungsverträge von GMAC im Volumen von bis zu 20 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) kaufen könne. Die Bank of Nova Scotia will noch im Dezember Autokredite im Wert von 3 Mrd. Dollar übernehmen. Pro Jahr generiert GMAC nach eigener Auskunft Autokreditein Höhe von 40 Mrd. Dollar.

GM ist derzeit dringend auf frisches Geld angewiesen. Das Autogeschäft läuft schlecht und hohe Verpflichtungen zur Alters- und Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter drücken den Konzern. Hinzu kommen Milliardenrisiken durch die Insolvenz des Autozulieferers Delphi, einer ehemaligen Tochter.

Experten zufolge dürfte das Geschäft zwar Geld in die Kassen von GM und seiner Finanzsparte bringen. Investoren würden aber mit Spannung darauf warten, ob GM eine Beteiligung an GMAC abgeben werde. Im Oktober hatte der Autobauer angekündigt, einen Teilverkauf zu prüfen. Eine GMAC-Sprecherin sagte, die Vereinbarung mindere die Chancen auf einen Verkauf eines Unternehmensanteils nicht. GM setze die Gespräche mit potenziellen Investoren fort.

Nach den Worten von GM-Chef Richard Wagoner von November ist ein Teilverkauf von GMAC aber alles andere als ausgemacht, da die Transaktion sehr komplex sei. Experten zufolge könnte der Verkauf der Kontrollmehrheit an GMAC mehr als 10 Mrd. Dollar einbringen.

Amerikanische Rating-Agenturen hatten die GM- und GMAC-Anleihen in den vergangenen Monaten mehrfach heruntergestuft und so die Mittelbeschaffung verteuert. GM versucht nun durch den Teilverkauf von GMAC, das Rating wieder zu verbessern. GMAC hatte bereits im Juli eine Vereinbarung mit der Bank of America für den Verkauf von Autokrediten von bis zu 55 Mrd. Dollar getroffen. Die Finanzsparte wird in diesem Jahr Autokredite im Wert von insgesamt 15 Mrd. Dollar veräußern, betonte GMAC-Finanzchef Sanjiv Khattri.

Um die Probleme des Konzerns zu lösen, hat GM-Chef Wagoner die Mitarbeiter auf harte Einschnitte vorbereitet. Am Montagabend kündigte das Unternehmen an, die Produktionsstätte für Geländewagen in Oklahoma City am 3. Februar 2006 endgültig aufzugeben. Insgesamt sollen bis 2008 neun Werke geschlossen und 30 000 Mitarbeiter entlassen werden. Das Werk in Oklahoma gehört zu den ersten Opfer des Sparprogramms. In der Fabrik produziert GM derzeit den Chevrolet Trailblazer und GMC Envoy. Der Absatz dieser Fahrzeuge ist angesichts der gestiegenen Benzinpreise eingebrochen.

Von der US-Regierung können GM und der ebenfalls schwächelnde Konkurrent Ford nicht mit Hilfe rechnen. „Sie brauchen niemanden, der ihnen aus der Klemme hilft“, sagte Al Hubbard, führender Wirtschaftsberater von US-Präsident George W. Bush, am Montag. „Alles was sie brauchen, ist Zeit für Umstrukturierungen, und wir sind zuversichtlich, dass sie sehr erfolgreich sein werden.“ Die US-Autobauer haben den Kongress zu Steuersenkungen und anderen Erleichterungen im Milliarden-Umfang gedrängt, um besser gegen ausländische Rivalen bestehen zu können.

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