
DüsseldorfDem Thyssen-Krupp-Konzern droht ein weiterer Rückschlag: Die Ratingagentur Moody's kündigte am Donnerstag an, ihre Bewertung der Verbindlichkeiten des Essener Konzerns auf eine Herabstufung zu prüfen. Moody's bewertet die langfristigen Schulden des Konzerns derzeit mit Baa3 und die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit P-3. Bei einer Herabstufung könnte sich die Refinanzierung des Konzerns verteuern.
Der Schritt sei wegen der Verschlechterung der operativen Entwicklung bei Thyssen-Krupp zum Jahresende hin und wegen des herausfordernden Ausblick für 2013 vollzogen worden, teilte die Agentur mit. Thyssen-Krupp hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Verlust von fünf Milliarden Euro den größten Fehlbetrag in der Firmengeschichte geschrieben.
5,8 Milliarden Euro (plus 62 Prozent)
minus 5 Milliarden Euro (Vorjahr: minus 1,8 Milliarden Euro)
plus 976 Millionen Euro (minus 66 Prozent)
minus 4,3 Milliarden Euro (Vorjahr: minus 988 Millionen Euro)
40,1 Milliarden Euro (minus 6 Prozent)
47 Milliarden Euro (minus 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr)
„In der Vergangenheit ist viel schief gelaufen“, gestand Konzernchef Heinrich Hiesinger am Dienstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Essen ein. Teure Fehlinvestitionen bei Stahlwerksbauten in Amerika und zahlreiche Fälle unsauberer Geschäftspraktiken haben das Unternehmen in eine tiefe Krise gestürzt.
Wegen der schwachen Nachfrage nach Stahl will Thyssen-Krupp die Kurzarbeit in Deutschland verlängern. „Wir begrüßen die Überlegungen der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld auf zwölf Monate zu verlängern und gehen davon aus, dass wir gemeinsame Lösungen finden“, sagte Hiesinger. Der Konzern hatte im August für knapp 2200 der rund 17 500 Stahlarbeiter in Deutschland Kurzarbeit eingeführt. Thyssen-Krupp kündigte zugleich an, auf die Verschärfung des Umfelds für die europäische Stahlindustrie mit hohen Überkapazitäten und Preisdruck reagieren zu wollen.