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Merckle: Ratiopharm steht zur Disposition

Anscheinend steht der in Finanznöte geratene Großunternehmer Adolf Merckle davor, den Pharmakonzern Ratiopharm unfreiwillig zu verkaufen. Dies berichteten mit den Vorgängen vertraute Personen. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings aus.

HB FRANKFURT. Der in Geldnöte geratene schwäbische Unternehmer Adolf Merckle kommt an einem Notverkauf des Medikamentenherstellers Ratiopharm offenbar kaum noch vorbei. Das von Merckle mit den Gläubigerbanken vereinbarte Finanzierungspaket für seine Firmengruppe laufe auf einen Verkauf von Ratiopharm hinaus, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag.

Einem Bericht der in Ulm erscheinenden "Südwest Presse" zufolge rechnet auch der Ratiopharm-Betriebsrat mit einem Verkauf. Dies sei wahrscheinlich und wohl nicht mehr zu vermeiden gewesen, wurde Betriebsratschef Odo Maxein am Freitag in der Online-Ausgabe der Zeitung zitiert.

Die Belegschaft hoffe, dass der Generikahersteller nicht an einen Finanzinvestor veräußert werde. Man setze auf einen strategischen Investor aus der Pharmabranche wie den US-Konzern Pfizer oder ein japanisches Unternehmen, hieß es in dem Bericht. Andere Konkurrenten hätten teils nur Interesse an Einzelteilen von Ratiopharm wie dem Außendienst, weil sie selber über eine kostengünstige Produktion verfügten.

Eine Sprecherin von Merckles VEM wollte sich am Samstag nicht zu Ratiopharm äußern. Sie sagte lediglich, Merckle habe die vor Weihnachten erzielte Grundsatzvereinbarung zur Finanzierung seiner Unternehmensgruppe abgesegnet: "Die Unterschrift liegt inzwischen vor." Details würden voraussichtlich im neuen Jahr bekanntgegeben.

Merckle, zu dessen Firmenimperium auch der Baustoffhersteller HeidelbergCement und der Pharma-Großhändler Phoenix gehören, ist unter anderem durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien in Bedrängnis geraten. Zudem drückt ihn die milliardenschwere Schuldenlast von HeidelbergCement. Kreisen zufolge benötigt Merckle kurzfristig rund 700 Mio. Euro. Daneben hätten sich die Banken bereit erklärt, ihre Forderungen gegenüber Merckles Firmen des Milliardärs aussetzen. Im Gegenzug verlangten sie umfangreiche Sicherheiten. So sollten die wichtigsten Beteiligungen des Unternehmers an eine Treuhandgesellschaft übergeben werden.

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