Krim-Krise
„Handelskonflikt wäre schmerzhaft“

Der Westen droht Moskau im Krim-Konflikt mit Sanktionen. Was für russische Unternehmen ein Schlag wäre, könnte auch deutschen Firmen Probleme bereiten. Vor allem wenn die Russen ihre Auslandschulden nicht mehr bedienen.
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London/MoskauIm Krim-Konflikt droht der Westen mit Sanktionen gegen Moskau. Doch die große Abhängigkeit Europas von russischer Energie verhindert bislang ein hartes Vorgehen. Experten zufolge könnten aber auch die internationalen Schulden russischer Unternehmen Strafen zu einem heiklen Unterfangen werden lassen.

Schließlich stehen Russlands Konzerne und Banken – viele von ihnen staatlich gelenkt – außerhalb ihrer Heimat mit mehr als 650 Milliarden Dollar in der Kreide. Dem Kreml nahestehende Politiker drohen bereits offen damit, dass die Firmen ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten – als Vergeltung für das Einfrieren russischer Auslandsvermögen oder anderer Maßnahmen.

Der Westen könnte sich dann mit Strafen gleich doppelt ins eigene Fleisch schneiden – sollte Russlands Staatskonzern Gazprom nicht nur den Gas–, sondern auch den Geldhahn zudrehen. Insgesamt sind Russlands Auslandsschulden seit 2008 stark gewachsen, vor allem die Staatskonzerne haben dazu beigetragen. Allein die vier Geldhäuser Sberbank, VTB, VEB und Rosselkhozbank haben zusammen mindestens 60 Milliarden Dollar an internationalen Verbindlichkeiten.

Nehme man die Ukraine allein, so seien die Folgen für die deutsche Wirtschaft begrenzt, sagte Fischen, der Co-Chef der Deutschen Bank ist. Das gelte auch für die deutschen Banken: „Sie hatten Ende letzten Jahres offene Forderungen in Höhe von 835 Millionen Euro. Das wirft niemanden um“, erklärte Fitschen. Entscheidend sei die Frage, „ob der Konflikt eskaliert und wir in eine Spirale gegenseitiger Sanktionen geraten“.

Die deutsche Wirtschaft macht derzeit Front gegen die möglichen Wirtschaftssanktionen. Zwar befürchten Konjunkturexperten nur einen begrenzten Dämpfer für den Aufschwung. Bankenpräsident Jürgen Fitschen warnte jedoch in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vor der Gefahr einer wachsenden Spaltung zwischen Russland und dem Westen: „Eine Neuauflage des Kalten Krieges sollten wir unter allen Umständen vermeiden.“

Der Präsident des Außenhandelsverbandes, Anton Börner, sagte am Mittwoch in Berlin: „Ein Handelskonflikt wäre für Deutschlands Wirtschaft schmerzhaft, für die russische Wirtschaft aber existenzbedrohend.“ Deutschland habe genügend Gasreserven und auch ein Schock der Finanzmärkte sei nicht zu erwarten. Die Einflüsse auf die Weltkonjunktur blieben überschaubar. Trotzdem träfen Sanktionen viele deutsche Unternehmen hart.

Russland steht nach Verbandsangaben auf Platz elf der deutschen Handelspartner. 6200 deutsche Firmen treiben dort Handel oder haben investiert, das Handelsvolumen liegt bei mehr als 76 Milliarden Euro. Deutschland habe damit deutlich mehr zu verlieren als die USA, die forscher bei Sanktionsforderungen auftreten könnten.

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