Krise belastet Gewinne
Ölmultis üben sich in neuer Bescheidenheit

Die Wirtschaftskrise hat auch im dritten Quartal tiefe Spuren in den Bilanzen der Mineralölkonzerne hinterlassen. Zwar hat sich der Ölpreis in den vergangenen Monaten wieder erholt, die Gewinne in der Branche sind dennoch dramatisch gesunken. Die Unternehmen kommen nicht um tiefe Einschnitte herum, um ihre Kosten zu senken und die Folgen der Rezession zu bewältigen.
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DÜSSELDORF/LONDON. Exxon Mobil, der weltweit größte Ölkonzern, hat zwischen Juli und September einen Überschuss von 4,7 Mrd. Dollar (umgerechnet 3,3 Mrd. Euro) erwirtschaftet - nach 13,2 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Der amerikanische Ölmulti enttäuschte damit Anleger und Analysten, der Aktienkurs gab deutlich nach. Der europäische Konkurrent Royal Dutch Shell übertraf die Erwartungen des Marktes dagegen leicht. Der Öl- und Gaskonzern kam im dritten Quartal auf ein Plus von knapp drei Mrd. Dollar (umgerechnet 2,3 Mrd. Euro), bereinigt um die Wertveränderung beim Ölbestand. Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn noch bei knapp elf Mrd. Dollar.

Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Rohölpreis von mehr als 140 Dollar je Barrel (159 Liter) im Sommer vergangenen Jahres auf 37 Dollar im Dezember 2008 gesunken. Inzwischen hat sich der Preis erholt, ist aber von seinem Höchststand noch weit entfernt. Am Donnerstag pendelte er um 76 Dollar. Ähnlich sieht es am Gasmarkt aus, wo bislang auch noch kein deutlicher Anstieg erwartet wird.

Der weltweit zweitgrößte Ölmulti BP hatte Anfang der Woche Hoffnungen geweckt, dass sich die Zeiten für die Branche wieder bessern. Der britische Konzern hatte einen Gewinn von knapp fünf Mrd. Dollar vorgelegt. Das war zwar nur halb soviel wie im Vorjahresquartal - aber deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Das positive Abschneiden lag allerdings in erster Linie daran, dass BP seine Sparziele schneller erreicht hat als geplant. Dem Konzern werde es daher wohl in der nächsten Zeit schwer fallen, die Konkurrenten zu übertreffen, warnte Citigroup-Analyst Mike Bloomfield.

Bei anderen Energiekonzernen ist der Gewinn dagegen im ähnlichen Ausmaß eingebrochen wie bei Shell und Exxon Mobil. Die US-Mineralölgesellschaft Conoco Phillips fuhr ein Plus von 1,5 Mrd. Dollar ein, 71 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der italienische Energiekonzern Eni verbuchte einen um knapp 60 Prozent niedrigeren Gewinn und nahm die Produktionsziele zurück.

Der Ausblick der Unternehmen fiel auch deutlich zurückhaltender aus als etwa bei BP: "Wir sehen zwar Anzeichen dafür, dass die Energienachfrage wieder anzieht und die Ölpreise steigen", sagte Shell-Vorstandschef Peter Voser am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalsergebnisse. "Jedoch bleiben die Aussichten weiterhin unsicher und wir rechnen nicht mit einer schnellen Erholung des Marktes."

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