Krise der Autobranche
Pleitewelle trifft Zulieferer

Die weltweite Krise in der Automobilindustrie treibt immer mehr Zulieferer in die Pleite. Das jüngste Opfer: der Remscheider Hersteller von Schiebedächern und Scharnieren Edscha. Das soll erst der Anfang sein. Die Branche, so eine aktuelle Studie, steht vor einem dramatischen Strukturwandel.

HB DÜSSELDORF. Die weltweite Krise in der Automobilindustrie treibt immer mehr Zulieferer in die Pleite. Das jüngste Opfer: der Remscheider Hersteller von Schiebedächern und Scharnieren Edscha. Am Montag meldete das Unternehmen mit 1,1 Mrd. Euro Jahresumsatz und weltweit 5 800 Mitarbeitern beim Amtsgericht Wuppertal Insolvenz an. Wie das Unternehmen mitteilte, gilt der Antrag für die 4 200 Mitarbeiter an den europäischen Standorten. In Deutschland sind 2 300 Beschäftigte betroffen.

Edscha ist der bisher größte deutsche Autozulieferer, der wegen der aktuellen Branchenkrise Insolvenz anmelden musste. Experten schätzen, dass in den kommenden Monaten zehn bis 15 Prozent der Zulieferer in akute Liquiditätsprobleme geraten könnten. Erwischt hat es bereits den Bremsbelaghersteller TMD Friction aus Leverkusen mit 690 Mio. Euro Umsatz und 4 500 Mitarbeitern. Kurz vor Eröffnung der Insolvenzverfahren stehen auch Tedrive (480 Mio. Euro Umsatz, 2 600 Beschäftigte) sowie Stankiewicz (270 Mio. Euro Umsatz , 2 100 Mitarbeiter). An allen drei Firmen sind Finanzinvestoren beteiligt.

Dem Insolvenzantrag von Edscha ging ein dramatisches Wochenende voraus. Am Sonntag deutete sich noch eine Lösung an, bei der die Großkunden BMW, Volkswagen und Daimler einspringen sollten. Der US-Investor Carlyle, dem Edscha seit 2003 gehört, erklärte sich bereit, mittelfristig mehr als 50 Mio. Euro zuzuschießen. Erst im Dezember hatte er eine Notspritze von 20 Mio. Euro gegeben.

Doch offenbar war das Problem zu groß: Das Unternehmen war nicht mehr in der Lage, den Betrieb aus laufenden Mitteln aufrechtzuerhalten, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Nach einem Einbruch von 50 Prozent im Dezember sackten die Umsätze im Januar teilweise um bis zu 60 Prozent weg.

Weder die beteiligten Banken Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, Mizuho und GE Commercial, noch die Großkunden, noch die angefragten Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen waren bereit, Edscha kurzfristig Gelder zu geben, die die Zahlungsunfähigkeit verhindert hätten. Über das weitere Geschick bestimmt nun der vorläufige Insolvenzverwalter Jörg Nerlich.

Das Aus für Edscha war für die Automobilindustrie nicht die einzige schlechte Nachricht zum Wochenauftakt. Der schwedische Wälzlagerhersteller SKF kündigte an, die Produktion zu drosseln, in welchem Umfang sei noch nicht klar. SKF hatte erst im Dezember bekanntgegeben, 2 500 Stellen zu streichen. Auch der Konkurrent Schaeffler, der Kabelhersteller Leoni, der Zulieferer PWO und der Großkonzern Volkswagen kündigten eine Ausweitung der Kurzarbeit an. Bei Schaeffler soll sie sogar sechs Monate dauern.

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