Krise der Rüstungsindustrie
Europas Kriegsmüdigkeit ist schlecht fürs Geschäft

Niedrige Wehretats machen den Rüstungsfirmen zu schaffen. Heute besucht Ursula von der Leyen die ILA, doch die Ministerin geizt mit Aufträgen. Die Branche rechnet mit neuen Geschäften durch die Ukraine-Krise.
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BerlinDas Gastland Türkei zeigt auf der ILA in Berlin alles, was es in Sachen Luftfahrt zu bieten hat. Zwischen den Ausstellungshallen steht dabei aber auch ein Objekt, das bei den europäischen Rüstungskonzernen Magenschmerzen auslöst: Die Aufklärungsdrohne TAI Anka. Sie ist etwas, was den Europäern fehlt.

Das unbemannte Flugobjekt des Herstellers Turkish Aerospace Industries (TAI) wurde bereits erprobt, Käufer sind bislang das türkische Militär und Ägypten. Europa hinkt dagegen Jahre hinterher. Drohnenprojekte wie „Talarion“ (Airbus) oder „Telemos“ (BAE Systems, Dassault) scheiterten. Der für hohe Flughöhen ausgelegte „Euro Hawk“ mit Aufklärungstechnik von Airbus geriet gänzlich zum Desaster und scheiterte an Problemen bei der Zulassung und einer drohenden Kostenexplosion.

Die Drohnenproblematik steht sinnbildlich für die europäische Rüstungsindustrie. Die Konzerne arbeiten teilweise nur unzureichend zusammen und letztendlich haben immer die Auftraggeber ein gewichtiges Wort mitzureden: die Regierungen. Und da diese immer knauseriger werden und die Wehretats zurückfahren, geht das Geschäft der Konzerne zurück.

Multinationale Projekte seien „ein Horror“ für die Industrie geworden, hatte Airbus-Chef Tom Enders Ende April geklagt. Die Rüstungskonzerne sollten mehr zu sagen haben, wie ein Projekt ablaufe: „Die Anforderungen werden vom Militär bestimmt, aber die Befugnis zur Durchführung sollte viel mehr auf der Seite der Industrie liegen“, sagte Enders. Die europäische Verteidigung sei „in einem beängstigenden Zustand“.

Doch die Politik sieht das offenbar anders – auch in Sachen Drohnen. Erst am Montag hatte Airbus gemeinsam mit Dassault (Frankreich) und Alenia Aermacchi (Italien) einen neuen Vorstoß für ein militärisches Drohnenprojekt gestartet.

Kommentare zu " Krise der Rüstungsindustrie: Europas Kriegsmüdigkeit ist schlecht fürs Geschäft"

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  • Naja, das Geld, das in der Bundeswehr für den Kita-Ausbau benötigt wird, steht nun halt mal nicht für Waffen zur Verfügung. Schwerter zu Kitas!

  • Na ja, es gibt "Hoffnung". Wenn Kalter-Krieg-reloaded in Europa angesagt ist, kann man auch wieder Geschäfte machen.

    Ich kann mich entsinnen zu seinen Hochzeiten lag die Bundeswehr bei einer Mannschaftsstärke c. 500.OOO Mann
    1200 Kampfpanzer wovon heute nur noch Bruchteile übchig geblieben sind.
    Wehrpflicht 18 Monate, habe ich selber 1971 mitgemacht
    (mit Haarnetzt) Verteidigungminister war Julius Leber SPD.

    Wenn ein eurasisches Bündnis Russland/China ins Haus steht, wird es auch mit der Rüstungsindustrie im NATO-Bereich wieder vorangehen.

    Unsere Bellizisten werden schon die richtigen Akzente und Weichen stellen.

  • PERVERS!

    Die spekulieren auf unseren Tod!

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