Krise im Emirat
Daimler hält an Dubai fest, DIHK warnt

Jahrelang wurde im Emirat Dubai gebaut, gebaut, gebaut – eine Entwicklung, die durch die dramatische Verschuldung nun zum erliegen kommen dürfte. Die Wirtschaft rechnet mit erheblichen Auftragseinbrüchen, besonders in der Baubranche. Derweil macht sich Daimler keine Gedanken um seine arabischen Anteilseigner.
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FRANKFURT. Daimler setzt ungeachtet der Dubai-Krise weiter fest auf seine beiden arabischen Großaktionäre. „Die aktuelle Situation in Dubai ist das eine, sie steht aber nicht in Verbindung mit unseren Ankeraktionären in der Region“, sagte Finanzchef Bodo Uebber der „Süddeutschen Zeitung“. Die Investorenstruktur des Konzerns sei sehr stabil, einen neuen Großaktionär suche man nicht aktiv.

In der Hand arabischer Investoren liegen insgesamt 16 Prozent der Daimler-Anteile. Kuwait ist seit 1974 engagiert, der Anteil beläuft sich auf aktuell 6,9 Prozent. Seit dem Frühjahr ist zudem Dubais Nachbar-Emirat Abu Dhabi über den staatlich kontrollierten Fonds Aabar mit 9,1 Prozent beteiligt. Aabar hatte zuletzt erklärt, eine Aufstockung zu erwägen.

Uebber sagte dem Blatt zufolge, Kuwait habe eine „sehr langfristig angelegte Strategie“. Auch Aabar habe stets die Langfristigkeit seines Engagements betont. „Sie sind große Freunde der Marke Mercedes-Benz“, sagte der Manager. An den internationalen Finanzmärkten waren Befürchtungen aufgekommen, dass die Geldnöte des einstigen Boom-Emirats Dubai auf andere Länder der Region übergreifen.

Darüber hinaus rechnet die deutsche Wirtschaft mit erheblichen Auftragseinbußen wegen der Krise in Dubai. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK): „Das werden wir beim Auftragseingang deutlich merken. Viele Unternehmen werden betroffen sein.“ Die „Dauerbaustelle Dubai“ sei über viele Jahre ein wichtiger Markt gewesen für jeden, „der Produkte und Leistungen rund ums Bauen liefert - von der Bohrmaschine über Bagger bis zu Armaturen und Fenstern“.

Auch der psychologische Effekt der Schuldenkrise am Golf sei „nicht zu verachten“, warnte Wansleben. „In der aktuellen labilen Situation ist jeder Rückschlag gefährlich. Vor diesem Hintergrund ist Dubai durchaus ein Schlag ins Kontor.“ Zwar erwarte er keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Konjunktur. Aber ein nach wie vor instabiler Finanzmarkt werde „hart getroffen, wenn ein Staatsunternehmen mit rund 60 Mrd. (Dollar) Schulden wankt und das zusammentrifft mit anderen Faktoren der Unsicherheit“.

Der deutschen Wirtschaft drohten weiter Risiken. „Bei allem Optimismus müssen wir damit rechnen, dass wir noch den einen oder anderen Rückschlag einstecken werden.“ Das gelte nicht zuletzt für die weiterhin nicht gebannte Gefahr, dass eine mögliche Kreditklemme in Deutschland den Aufschwung abwürgen könne, sagte Wansleben. Auch die Entwicklung des Dollar bereite Sorgen.

Die Nachricht von den massiven Geldproblemen im Luxus-Paradies Dubai hatte vergangene Woche die Finanzwelt getroffen. In der Finanzkrise hatte sich die Führung des Landes lange Zeit bemüht, die Probleme geheim zu halten. Jetzt musste das arabische Emirat die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um Zahlungsaufschub bitten. Dem Staatsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals, die Scheichs haben sich mit ihren spektakulären Projekten wie den künstlichen Palmen-Inseln übernommen.

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  • ich muß @Gerd Recht geben. Was bitte könnte denn Daimler machen, wenn Dubai nicht an Daimler festhält.
    ich gehe davon aus, daß bald genug Dubai seinen Anteil los werden muß. Dann werden wir sehen wie Daimler an Dubai festhält (:-))

  • Welche Alternativen hat Daimler denn? Daimler kann doch auch gar nicht an Dubai festhalten, sondern Dubai lediglich an Daimler!!!

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