Krise in der Autobranche
Auftragsfertigern bricht das Geschäft weg

Karmann ist erst der Anfang. Zunehmend geraten die Auftragsfertiger unter Druck, denn die großen Autobauer verlagern die Produktion wieder zurück ins eigene Unternehmen. Eine Reihe von Insolvenzen droht.

FRANKFURT. Manchmal hilft nur noch Beten. Rund 1 000 Mitarbeiter marschierten Ende Mai vom Osnabrücker Karmann-Werk zum spätromanischen Dom "St. Petrus" in der Innenstadt. In der Kirche entzündeten die Beschäftigten Kerzen vor dem Altar und beteten für ihre Arbeitsplätze. Doch der Ruf nach höherem Beistand kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Karmanns Probleme derzeit von sehr irdischer Natur sind. Legt die Krise der Osnabrücker doch schonungslos offen, dass das Geschäftsmodell der Auftragsfertiger in der Autoindustrie insgesamt ins Schwanken geraten ist.

Jahrelang lebten die großen Auftragsfertiger gut davon, dass sie den Herstellern kostengünstig die Produktion von Nischenmodellen und Spezialaufträgen wie Cabrios abnahmen. Die Zulieferer-Firmen waren viel flexibler als die großen Konzerne, fertigten zu wesentlich niedrigeren Kosten und konnten so auch noch kleine Stückzahlen von 10 000 bis 20 000 Stück rentabel herstellen, bei denen die Autobauer selbst abwinken mussten. Magna Steyr aus Österreich, Karmann aus Deutschland, ihre italienischen Rivalen Bertone und Pininfarina, die finnische Valmet und der französische Fremdfertiger Heuliez wurden so zur ersten Adresse für den Bau von Kleinserien, als der Trend zu Nischenfahrzeugen begann. Die Autofabriken ohne eigene Marke liefen in den 90er Jahren auf Hochtouren. Opel Astra Twintop und BMW X3 landeten so bei flexiblen Auftragsfertigern.

Doch jetzt ist Ebbe im Überlaufbecken. Die deutlichen Effizienzsteigerungen im Rahmen der Sparprogramme, die sich die Autobauer in den vergangenen Jahren verordnet hatten, hinterlassen ihre Spuren auch bei den Auftragsfertigern. Heute können auch die großen Hersteller Kleinserien profitabel bauen und tun dies zusehends, um ihre Kapazitäten besser auszulasten und Stellenabbau zu vermeiden. Denn auch intern stehen die Manager angesichts der Produktivitätsfortschritte unter dem Druck ihrer Belegschaften, Kleinaufträge wieder ins Unternehmen zu holen. So baut BMW den neuen X3 selbst, auch VW plant den nächsten Golf-Cabrio in Eigenregie, und Bertone musste das Astra-Cabrio ebenfalls an Opel zurückgeben. Weil die Produktion immer flexibler und effizienter wird, kann Audi sogar den Supersportwagen R8 in Eigenregie bauen. Noch vor wenigen Jahren hätte dies ein spezialisiertes Kleinunternehmen deutlich günstiger und in mindestens ebenbürtiger Qualität erledigt. "Die veränderte Produktion der Autokonzerne macht die Lohnfertigung überflüssig", sagt Christoph Stürmer, Autoanalyst beim Marktforschungsinstitut Global Insight.

So hat nicht nur Karmann derzeit zu kämpfen. Auch die italienischen Auftragsfertiger Pininfarina und Bertone sowie der französische Fremdfertiger Heuliez bangen um die Zukunft. So ist bei Bertone seit Monaten der Konkursverwalter im Haus und Heuliez meldete ebenfalls schon Insolvenz an. Auch das 1930 gegründete Karosserie-Atelier Pininfarina sah bereits bessere Zeiten. Das Familienunternehmen hat zwei Verlustjahre in Folge hinter sich. Eine Zusammenarbeit mit dem französischen Mischkonzern Bolloré soll nun den Weg aus der Krise weisen.

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