Krise noch nicht gemeistert
Ford feiert – die Vergangenheit

Der zweitgrößte Autokonzern der Welt wird 100. Doch die aktuelle Situation bietet zum Feiern wenig Anlass. Das Unternehmen hat sich in den USA in Preiskämpfe verstrickt, in Europa kommt Ford nur langsam wieder auf Touren.

FRANKFURT. Wenn am Montag ein riesiges Feuerwerk über Michigan die Nacht zum Tag macht, werden auch die Augen von Bill Ford leuchten. Allerdings nicht viel länger als die Lichtspuren am Himmel. Denn für Träumereien hat er keine Zeit. Seit er Ende 2001 als erstes Familienmitglied seit zwei Jahrzehnten das Zepter in der Ford-Konzernzentrale in Dearborn bei Detroit in die Hand genommen hat, ist der Urenkel des Firmengründers Henry Ford dabei aufzuräumen. Die Vorbereitungen für die große 100-Jahr-Feier der Ford Motor Company sind nur eine kurze Unterbrechung des nervenzehrenden Jobs.

Denn der Jubilar ist alles andere als pflegeleicht. Ausgerechnet vor dem großen Fest schwächelte die Ford Motor Co. – so stark, dass eine pessimistische Ratingagentur sogar den baldigen Tod der Nummer zwei der weltweiten Automobilbranche nicht ausschloss. Den Konzern drückt ein Schuldenberg von mehr als 160 Milliarden Dollar, in der firmeneigenen Pensionskasse herrscht Ebbe, und die Verluste der vergangenen beiden Jahre summieren sich auf mehr als sechs Milliarden Dollar. Das alles ließ den Börsenkurs auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren rutschen. Doch inzwischen erholt er sich wieder. Die Aktie gewann in den vergangenen drei Monaten um mehr als 40 Prozent – offenbar erinnerten sich die Börsianer daran, das 26,6 Mrd. Dollar Bruttoliquidität eine gute Medizin gegen Mangelerscheinungen sein können. Zudem konnte Ford pünktlich zum Jubiläumsjahr mit einem Ergebnis im ersten Quartal überraschen, das dem Unternehmen das Lob der Ratingagentur Fitch einbrachte: „Ford ist richtig ausgerichtet.“

Das gute Ergebnis ist angesichts eines unbarmherzigen Preiskriegs in den USA bemerkenswert. Weltmarktführer General Motors hatte nach den Anschlägen auf das World Trade Center mit Rabattaktionen eine Lawine losgetreten, die seither immer mehr Unternehmen erfasst. Selbst Chrysler, dessen Chef Dieter Zetsche die Rabatte vor nicht allzu langer Zeit als „Droge“ brandmarkte, mischt nun munter in dem Geschäft mit. Doch Ford wird nicht nur von den US-Konkurrenten in die Zange genommen. Die Japaner, allen voran Toyota, gewinnen seit Jahren Marktanteile.

Dass es Ford dennoch gelungen ist, Gewinn zu erzielen, liegt an massiven Sparanstrengungen. Kostensenkungen von mindestens neun Milliarden Dollar hat sich der Konzern für einen Fünf-Jahres-Zeitraum bis 2005 zum Ziel gesetzt. „Bis Mitte des Jahrzehnts wird Ford jährlich 7 Milliarden Dollar verdienen“, hatte Bill Ford vollmundig verkündet.

Dazu muss allerdings noch einiges passieren. In den USA müsste sich der Markt beleben und der Trend der sinkenden Marktanteile – zuletzt waren es nur noch knapp mehr als 20 Prozent – gedreht werden. Die Ankündigung Fords, die Produktionskapazitäten im zweiten Quartal auf Grund zu hoher Lagerbestände um 17 Prozent kürzen zu müssen, deutet allerdings nicht eben auf eine Wende hin. Auch der Milliardenbeitrag, den Europa zur Ergebnissteigerung beitragen soll, wird immer unwahrscheinlicher. Denn weder die Marke mit dem blauen Oval und schon gar nicht die in der Premium Automotive Group (PAG) zusammengefassten Marken Volvo, Jaguar, Land Rover und Aston Martin schwimmen auf einer Woge des Erfolgs. Ford gelangen zwar zuletzt auf dem Alten Kontinent wieder Marktanteilsgewinne, doch gingen die absoluten Verkaufszahlen in einem schrumpfenden Markt weiter zurück. Der mühsame Abbau von Überkapazitäten durch Werksschließungen und die Effizienzsteigerungen könnten schon bald nicht mehr ausreichen, die schwache Nachfrage und den auch in Europa entfachten Preiskampf zu kompensieren. Noch immer hat sich die Marke Ford nicht vollständig von den Fehlern der Vergangenheit erholt, als amerikanische Manager auf Abruf die Investitionen in neue Modelle und Qualität drosselten, um kurzfristige Erfolge nach Detroit melden zu können.

„Wir können aus der Vergangenheit lernen“, sagt Bill Ford zum Jubiläum, „aber wir können nicht von ihr leben.“ Trost für ihn: Selbst Firmengründer Henry Ford hat nicht alles im ersten Anlauf geschafft. Erst mit der dritten Firma kam der Erfolg.

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