Krise
US-Autoindustrie: Rettungspaket gescheitert

Das 14-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für die angeschlagene US-Autoindustrie ist im Senat geplatzt. Eine Einigung scheiterte an der Weigerung der Auto-Gewerkschaften, die von Republikanern geforderten Lohnkürzungen zu akzeptieren. Damit stehen die Autokonzerne General Motors und Chrysler vor dem Aus. GM ist tief enttäuscht und bereitet sich auf die Insolvenz vor.

HB Washington. Nach elf Stunden war alles vorbei. Endgültig. Die Senatoren hatten das Hilfsprogramm am späten Donnerstagabend mit 52 zu 35 Stimmen abgelehnt. Der Rettungsplan für die US-Autoindustrie ist damit gescheitert. „Es ist aus damit“, sagte der Mehrheitsführer der Demokraten, Harry Reid. Grund für die Ablehung im Senat war eine Forderung der Republikaner nach raschen Lohnsenkungen bei den Automobilkonzernen Ford, General Motors und Chrysler. Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) erklärte sich laut republikanischen Angaben zwar zu den Lohnsenkungen bereit, jedoch nicht wie gefordert bereits im kommenden Jahr, sondern frühestens 2011.

Die großen US-Autobauer haben das Scheitern des US-Rettungspakets bedauert. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass heute im Senat trotz beiderseitigen Bemühungen keine Einigung gefunden werden konnte“, sagte GM-Sprecher Tony Cervone in einer ersten Reaktion. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Chrysler-Sprecherin Lori McTavish. Ford wollte sich nicht äußern.

Der Opel-Mutterkonzern sowie Chrysler wollen nun alle Optionen prüfen, um ihr Überleben zu sichern. Beide hatten erklärt, bis Jahresende vor dem Aus zu stehen, sollte ihnen nicht rasch finanziell geholfen werden. Genau deshalb bereitet sich GM nun auf die Insolvenz vor. Der Autohersteller hat nach eigenen Angaben Anwälte und Finanzberater engagiert, um eine nahende Insolvenz auf den letzten Metern doch noch zu verhindern. Ein Konkurs, so GM in einer Erklärung, sei keine sinnvolle Lösung für den Konzern.

Nach vielen Gespräche zwischen Regierung, Kongress und den drei Autobauern GM, Chrysler und Ford wurden Überbrückungshilfen von 14 Milliarden Dollar bis Ende März ausgehandelt. Diesen hatte das Repräsentantenhaus bereits zugestimmt. Eigentlich hatten die Autobauer insgesamt um 34 Milliarden Dollar gebeten.

Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, äußerte sich enttäuscht über das Scheitern eines Kompromissentwurfs, auf den sich Republikaner und Demokraten zuvor nach mehrstündigen Verhandlungen verständigt hatten. Reid sprach von einem „Verlust für das Land“ und fügte hinzu: „Mir graut davor, morgen zur Wall Street zu schauen. Das wird kein erfreulicher Anblick sein.“ Bis zur Zusammenkunft des neuen Senats im kommenden Jahr werde es „keine weiteren Arbeiten“ an dem Rettungsplan geben, so Reid weiter.

Zugleich warnte er vor den Auswirkungen der gescheiterten Einigung. Millionen Amerikaner - nicht nur die Autobauer - seien direkt betroffen. „Das wird ein schlimmes, schlimmes Weihnachten für viele Menschen“, so Reid. Vergeblich hatte auch der künftige US-Präsident Barack Obama die Senatoren aufgefordert, die US-Autohersteller zu retten. „Wir können nicht einfach daneben stehen und zuschauen, wie die Industrie zusammenbricht“, sagte er.

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