Kriselnde Autobranche
Opel will bei GM bleiben

Die Krise des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) bedroht die Existenz der deutschen Automobiltochter Opel. Trotzdem steht diese weiter treu zur Konzernmutter. Eine Herauslösung aus dem GM-Verbund sei kein Thema, heißt es aus Rüsselsheim. Gleichzeitig flüchtet sich Opel zur Rettung in die Arme der Politik

hz/HB FRANKFURT. Der angeschlagene Mutterkonzern kämpft inzwischen ums Überleben: Management und Gewerkschafter versuchen verzweifelt, eine drohende Insolvenz abzuwenden. Eine Herauslösung von Opel aus dem kriselnden Mutterkonzern General Motors ist aber nach Unternehmensangaben derzeit nicht geplant. „Opel und GM sind ein Konzern. Alles andere ist Spekulation“, sagte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim. Autoexperten hatten zuletzt eine Herauslösung als Möglichkeit erörtert, mit der Opel sich dem Abwärtssog der Mutter entziehen könnte. Auf den ersten Blick sei dies die bessere Alternative für Opel, hatte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erläutert.

Wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit von GM hat Opel bei der Bundesregierung um Staatshilfen gebeten. Am Nachmittag wollten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück, Wirtschaftsminister Michael Glos sowie die Opel-Spitze und Betriebsratschef Klaus Franz über eine mögliche Bürgschaft für den Autobauer beraten. Die milliardenschweren Hilfen von Bund und Ländern sollen den Fortbestand von Opel sichern, auch wenn GM wegen der Absatzkrise in den USA in existenzielle Schwierigkeiten gerät.

Ein möglicher Konkurs von GM hätte allerdings auch für die deutsche Tochter Opel gravierende finanzielle Folgen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Milliarden-Forderungen von Opel an General Motors bei einer Verschärfung der Situation in den USA von GM nicht mehr bedient werden können“, sagte am Samstag Klaus Franz, oberster Arbeitnehmervertreter von GM in Europa.

Der Kreditversicherer Euler Hermes zog bereits die Notbremse. Das Unternehmen will Lieferanten des Opel-Mutterkonzerns GM und Ford wegen der unsicheren Lage und Insolvenzgerüchten keinen Schutz mehr gewähren. Das bedeutet, dass sich Zulieferer dort nicht mehr gegen Zahlungsrisiken in Geschäften mit Opel und Ford versichern können. Damit muss Opel entweder Vorkasse leisten oder auf die Bereitschaft der Zulieferer hoffen, die Teile ohne Absicherung zu liefern. Auch die Marke mit dem Blitz kommt damit immer stärker unter Druck.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen schuldet der Mutterkonzern seiner deutschen Tochter mehrere Milliarden Euro in Form von Schuldversprechen beispielsweise für Entwicklungsleistungen, die Opel im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITZ) in Rüsselsheim für die US-Mutter erbracht hat. Wenn GM wegen der schweren Krise Zuflucht unter dem Insolvenzparagrafen Chapter 11 suchen sollte, müsste der Konzern sich jedoch für eine Weile weder um seine Schulden kümmern noch könnten die Gläubiger ihre Forderungen eintreiben.

Die Finanzlage von GM hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Der kriselnde Opel-Mutterkonzern hatte vor wenigen Tagen schon davor gewarnt, dass dem Konzern ohne weitere Staatshilfe das Geld auszugehen drohe. Der größte US-Autokonzern verfügte nach eigenen Angaben Ende September nur noch über 16,2 Mrd. Dollar an Liquidität. Allein sieben Mrd. Dollar verbrannte der Konzern in den vergangenen drei Monaten. Angesichts der Verluste könnte GM bis zum Ende des Jahres unter das Minimum von elf bis 14 Mrd. Dollar fallen, das zur Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts nötig ist.

Allerdings drohen die US-Hilfen für die notleidenden US-Autobauer, in politischen Grabenkämpfen zerrieben zu werden. Die Demokraten im US-Kongress sind dafür, den Autoherstellern den Zugang zum 700 Mrd. Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche zu öffnen. Die Republikaner setzen dagegen auf das bereits gebilligte Kreditpaket von 25 Mrd. Dollar, das eigentlich die Entwicklung sparsamerer Autos fördern soll.

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