Kriselnde US-Tochter
Zetsche prüft Verkauf von Chrysler

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche stellt erstmals die Zukunft der kriselnden US-Tochter Chrysler im Gesamtkonzern in Frage. Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrates erfuhr, wird Zetsche am heutigen Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz ankündigen, alle Optionen zu prüfen. Und derer gibt es mehrere.

mab/hz/ebe/mwb AUBURN HILLS. Zu den Optionen zähle auch der vollständige oder teilweise Verkauf von Chrysler. Zetsche habe eine US-Investmentbank beauftragt, entsprechende Möglichkeiten zu prüfen, hieß es in den Aufsichtsrats-Kreisen.

Möglich sei auch, den US-Hersteller in eine globale Allianz mit einem Konkurrenten einzubringen, hieß es weiter. Zuletzt hatte sich der Chef von Renault und Nissan, Carlos Ghosn, interessiert gezeigt, eine weit reichende Allianz mit einem US-Autokonzern zu schmieden. Als weitere Handlungsalternative gilt den Kreisen zufolge, Chrysler in eine separate Gesellschaft einzubringen und an der New Yorker Börse zu notieren. Ein Daimler-Sprecher wollte gestern keinen Kommentar abgeben.

„Alles ist möglich“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Es sei aber „wesentlich wahrscheinlicher, dass etwas Drastisches passiert, als dass nichts passiert“. Intern gelte als Zeithorizont für eine Entscheidung maximal ein Jahr. Hintergrund für die einschneidende Entscheidung: Zetsche geht offenbar nicht mehr davon aus, dass Chrysler in absehbarer Zeit die Renditeziele des Daimler-Konzerns erreichen kann. Der drittgrößte US-Autobauer hat 2006 erneut mit einem Milliardenverlust abgeschlossen, obwohl Zetsche als Chrysler-Chef zwischen 2000 und 2005 bereits 40 000 Stellen in den USA abgebaut hatte.

Analysten jubeln

Analysten würden eine Abspaltung der kriselnden US-Sparte vom deutschen Autokonzern begrüßen: „Das wäre ein interessanter Schritt, der die Zahl der Optionen für Daimler deutlich erhöhen würde“, sagte Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Daimler hätte damit die Möglichkeit, einen neuen Bündnispartner für Chrysler zu suchen und diesen an der US-Sparte zu beteiligen, ohne die wieder erstarkte Ertragsperle Mercedes mit ins Boot nehmen zu müssen. Der Finanzmarkt warte auf ein Signal, „dass eine Trennung von Chrysler möglich ist“, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Neun Jahre nach der Fusion von Daimler und Chrysler eine Ausgliederung überhaupt in Erwägung zu ziehen dürfte allerdings erheblichen Gegenwind in den USA verursachen: Der einstige „Fusionspartner“ Chrysler würde dann endgültig zu einer Tochtergesellschaft degradiert, sagte Analyst Pieper. Die Experten vom Bankhaus Sal. Oppenheim halten das Szenario aus einem anderen Grund für unwahrscheinlich: Eine Trennung würde den Stuttgartern hohe finanzielle Belastungen aufbürden, warnt Analyst Michael Raab. Er schätzt die Kosten einer Abspaltung auf rund 26 Mrd. Euro, weil Daimler dann die Gesundheitsvorsorge der Chrysler-Mitarbeiter und die notwendige Eigenkapitalausstattung der neuen Gesellschaft sicherstellen müsste.

Der Aktienkurs von Daimler-Chrysler hat seit Juni vergangenen Jahres rund 30 Prozent an Wert zugelegt. Bei 49,37 Euro notierte der Wert am Dienstag nur noch knapp 1 Euro unter einem Mehrjahreshoch.

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