Krisenfall Sarrazin
„Bei der Bundesbank hätten alle Alarmglocken läuten müssen“

Krisen wie die der Bundesbank mit dem Fall Sarrazin sind sein Geschäft. Dirk Popp ist Krisenkommunikator und einer der Geschäftsführer bei der PR-Beratung Ketchum Pleon Deutschland. Im Interview sagt Popp, warum die Bundesbank eine Chance verpasst hat, wieso noch nicht alles verloren ist und was CEOs aus diesem Krisenfall Sarrazin lernen können.
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Herr Popp, der Fall Sarrazin hat der Bundesbank in der öffentlichen Wahrnehmung schwer geschadet. Sind das Renommee von Herrn Weber und der Bundesbank noch zu retten?

Dirk Popp: Eine Krise macht nicht gleich das Renommee einer Bank kaputt. Aber es ist ein Krisenfall, ganz klar.

Was tun?

Eines ist ganz wichtig: Krisen wie die der Bundesbank lassen sich nicht wegdiskutieren, wie immer noch manchmal angenommen wird. Ist das Thema einmal in der Öffentlichkeit, bekommt man es so schnell nicht mehr weg. Entscheidend ist dann eine gute Krisenkommunikation.

Ist das, was wir zurzeit bei der Bundesbank erleben, eine gute Krisenkommunikation?

Daran kann man zumindest seine Zweifel haben. Natürlich lässt sich die Lage der Bundesbank von außen, ohne alle Details zu kennen, nur schwer beurteilen. Eines gilt allerdings immer: in einer so schwierigen Situation sollten die beteiligten Akteure einmal inne halten, alle Sachzwänge beiseite legen und sich fragen, was ihnen eigentlich ihr gesunder Menschenverstand sagt, wie sie mit dem Thema umgehen sollten. Das ist ganz oft der erste richtige Schritt.

Der Fall Sarrazin trifft die Bundesbank ja nicht gänzlich unvorbereitet. Der Konflikt schwelt seit längerem. Hätte man sich da nicht darauf vorbereiten können?

Ja, das wäre möglich gewesen, vielleicht ist das sogar passiert. Der Anschein für die Öffentlichkeit ist nun leider allerdings genau das Gegenteil: nämlich, dass die Bundesbank völlig unvorbereitet getroffen worden ist. Wenn dem so ist, wird es für das betroffene Unternehmen natürlich deutlich schwerer.

Aber wie kann es überhaupt zu so einer Gemengelage kommen? Unternehmen und Institutionen wie die Bundesbank verfügen doch über PR-Abteilungen, oder lassen sich von Spezialisten beraten.

Auch professionelle Kommunikatoren verheddern sich schnell in Sachzwänge, etwa den unterschiedlichen Interessen der internen wie externen Beteiligten. Im speziellen Fall der Bundesbank spielen zum Beispiel die Interessen der Politik eine Rolle. Außerdem muss das normale Tagesgeschäft natürlich nebenher weiterlaufen.Das macht es den Beteiligten schwer, den richtigen Weg zu finden.

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  • Sehr geehrter Herr Popp,
    das interview fällt ihnen auf die Füße. Die Leute per Krisenkommunikation über die wahren Probleme der Republik hinwegzutäuschen ist nicht der richtige Weg. Nicht die Alarmglocken der bundesbank sondern die Alarmglocken von Frau Merkel und deren Spießgesellen sollten läuten. Die Hexenjagd, die hier von allen Medien gemeinsam betrieben wurde erinnert an das Mittelalter oder das 3. Reich. Die professionellen Kommunikationsberater sind eben genau der Kleister, der die Probleme runterredet. Täuschen und tricksen hilft nicht mehr. Probleme lösen ist jetzt angesagt und nicht Krisenkommunikation.

  • Unzweifelhaft ist: Herr Sarrazin hat mit seinem buch ein System geroffen (zu dem die bundesbank zweifelsfrei gehört). Wenn ein solches System schon langen sich der Realität verweigert und dies zur Spielregel erklärt, die einzuhalten ist, um im System aufzusteigen, dann kan man nicht erwarten, daß genau diese so selektierten und geformten Systemträger/innen anders reagieren können, als wir es erlebt haben. Man kann große und beeindruckende Gebäude auf Sand bauen, aber wenn die erforderliche Masse "unten" an den richtigen Stellen fehlt, die das Gebäude stabilisiert und trägt, wird die bude umfallen, wenn der richtige Wind weht. Die Grundfrage ist also nicht:
    "Was will ich? Wie kann ich hinhaltend kommunizieren und Gallionsfiguren vorschicken?"
    sondern einzig und allein:
    "Was ist die Wahrheit, wie verhalte ich mich zu ihr, wie trete ich für sie ein?".

    Merke: Wenn der inhalt der botschaft schäbig ist, helfen auch keine Medien- und Kommunikationstrickser! Ehrliche Worte aus dem Mund ehrlicher Persönlichkeiten kommen auf Dauer besser an und haben gerade in der Krise ein besonderes Gewicht.

    Diesmal ist das Volk selbst eingesprungen, welch ein Donnerschlag!

  • Sarrazin ein Krisenfall ?
    Welche schrecklichen Folgen sollte dieses buch denn haben ?

    "Sturm im Wasserglas" wäre angebrachter.

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