Krisenfeste Baubranche
Bauwirtschaft profitiert von Konjunkturpaketen

Die Finanzkrise wird die europäische Bauwirtschaft nach Auffassung der Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche nicht so hart treffen wie andere Branchen. Allerdings werde die Finanzierung von Großprojekten zunehmend schwierig. Was die Unternehmen zur Besserung ihrer Position beitragen können.

DÜSSELDORF. „Der Bau profitiert von den Konjunkturpaketen“, sagte Deloitte-Experte Franz Klinger bei der Vorstellung der Studie „European Powers of Construction 2008“. Doch auch für den Bau gelte, dass mit den Milliarden-Hilfen nur ausgeglichen würde, was anderswo durch die Krise wegbreche. Beispielsweise sei die Finanzierung von Großprojekten inzwischen ein Problem. Darüber hinaus sei die Nachfrage nach Gewerbebauten schwach und der private Wohnungsbau sei in einigen Ländern eingebrochen. Insgesamt sei die Branche europaweit aber robuster aufgestellt als in der Vergangenheit. Viele Baukonzerne haben sich inzwischen Standbeine außerhalb des Baugeschäfts geschaffen, etwa mit Dienstleistungen rund um Bau und Immobilien oder im Energiebereich.

Stefan Mütze, Volkswirt der Helaba, rechnet nicht vor dem zweiten Halbjahr 2009 damit, dass die Konjunkturprogramme in den verschiedenen Ländern zu Baumaßnahmen führen werden. Trotzdem erwartet er in Deutschland 2009 noch einen Anstieg der öffentlichen Bauinvestitionen von sechs Prozent. 2010 sei dann ein stärkerer Zuwachs möglich. Die Investitionsförderung stößt auf einen enormen Bedarf. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Straßenbau sowie bei Brücken und Tunnelanlagen. Danach folgen die Bereiche Schulen und Abwasser.

Auch die Unternehmen selbst könnten in schwierigen Zeiten einiges tun, um ihre Position zu verbessern, meinte Deloitte-Experte Klinger. Dazu gehörten Vorsorge gegen Ausfallrisiken sowie die Wahrnehmung von Chancen, etwa im baunahen Servicegeschäft. Auch lohne ein Blick nach China oder Indien, wo trotz Konjunkturabkühlung weiter große Potenziale beim Infrastrukturausbau bestünden. Dort seien europäische Konzerne kaum aktiv.

Laut Deloitte ist Deutschlands Nummer eins Hochtief nach Umsatz der drittgrößte europäische Baukonzern. Nummer zwei Bilfinger Berger rangiert auf Platz zehn. Insgesamt ist Deutschland mit acht Unternehmen in den Top 100 vertreten, Großbritannien führt mit 28 die Liste an, Frankreich hingegen - das mit Vinci und Bouygues beide Spitzenreiter stellt - ist nur mit fünf präsent. Während drei Viertel der Top 100 Unternehmen 2007 noch Zuwächse verzeichnet, hat sich nun die Lage verändert: Die Aufträge nehmen wegen fehlender Kredite und schwacher Wirtschaftslage ab.

In der deutschen Baubranche ist die Krise längst angekommen. Im Dezember schrumpfte der Auftragseingang den dritten Monat in Folge mit zweistelligen Raten, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das Bauhauptgewerbe erhielt preisbereinigt 11,8 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahresmonat. Im November waren es 17,4 und im Oktober sogar 20,5 Prozent weniger. 2008 schrumpften die Aufträge insgesamt um 4,4 Prozent. Die Bauverbände erwarten daher für 2009 einen leichten Umsatzrückgang. Die Lage sei verglichen mit anderen Branchen aber noch gut, weil hohe Auftragsbestände abgearbeitet würden, sagte Andreas Geyer vom ZDB. So legte der Umsatz im Dezember um 2,7 Prozent zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%