Krisengebeutelte US-Autoindustrie
Detroit denkt das Undenkbare

Die von der weltweiten Finanzkrise erschütterte US-Autoindustrie versucht, sich neu zu erfinden. Während der zweitgrößte US-Hersteller Ford angesichts der angespannten Cash-Position den Verkauf seines Mazda-Paketes erwägt, sprechen die schwer angeschlagenen Giganten Chrysler und GM nach Informationen von US-Medien über einen Zusammenschluss.

FRANKFURT/TOKIO. Der zweitgrößte US-Autohersteller Ford bereitet grundlegende Veränderungen vor. Ford plane, seinen Anteil am japanischen Autobauer Mazda weitgehend zu verkaufen, heißt es. Dieser Schritt solle vor allem die angespannte Cash-Position stärken.

Ein Ford-Sprecher wollte die Meldung nicht bestätigen und kommentierte auch Berichte nicht, wonach GM im Sommer auch mit Ford über eine Verbindung gesprochen haben soll. Die Gespräche seien jedoch auf Drängen Fords beendet worden, schrieb das "Wall Street Journal". Alternativ werde nun der Plan verfolgt, die Beteiligung am erfolgreich operierenden Autobauer Mazda zu verkaufen.

Ford ist seit fast drei Jahrzehnten mit Mazda verbunden und hält ein Drittel der Anteile. Die beiden Konzerne hatten stets eng kooperiert und auch im Management zusammengearbeitet. Ford hat sich bereits von den britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover getrennt. Der indische Herausforderer Tata Motors hatte die Marken übernommen. Auch über einen Verkauf des verlustbringenden schwedischen Herstellers Volvo wird immer wieder spekuliert.

Ford sieht sich angesichts der Krise einem starken Cash-Abfluss gegenüber. Nach Brancheneinschätzung "verbrennt" der Konzern jeden Monat rund eine Mrd. Dollar. Konzernchef Alan Mullaly, der zuvor den US-Flugzeughersteller Boeing saniert hatte, schloss in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" einen Insolvenzantrag erneut kategorisch aus. Er betonte, man habe ausreichende Reserven, um eine längere Durststrecke durchzustehen. Ford bezifferte das Finanzpolster nach dem zweiten Quartal auf 26,6 Mrd. Dollar.

Auch personell zieht der Autokonzern Konsequenzen und tauscht den Finanzchef aus. Zum 1. November übernehme der bisherige Europa-Chef Lewis Booth den Posten von Ford-Veteran Don Leclair, teilte der Konzern am Wochenende mit. Die Ford-Aktie hatte in den vergangenen Tagen fast ein Drittel an Wert eingebüßt. Der Kurs steht danach auf dem Niveau von Anfang der 80er-Jahre.

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