Krisenjahr 2008
Drastische Vermögensverluste für Dax-Konzerne

Nach einer Studie der Universität St. Gallen haben die deutschen Dax-Konzerne im Krisenjahr zu erheblichen Vermögensverlusten geführt. Abwertungen auf Beteiligungen, Töchter und Wertpapiere führten demnach zu stillen Verlusten in Höhe von 43 Mrd. Euro. Wären diese stillen Verluste bilanziert worden, hätten die Konzerne einem Bericht zufolge Verluste insgesamt ausweisen müssen.

DÜSSELDORF. Bei den 30 Dax-Unternehmen haben 2008 Wertverluste in Höhe von 43,4 Mrd. Euro auf Beteiligungen, Töchter und Wertpapieren das Eigenkapital erheblich reduziert. Das hat eine Prüfung der Bilanzen aller Dax-Unternehmen durch die Universität St. Gallen im Auftrag der "Wirtschaftswoche" ergeben. Wären diesen stillen Verluste, die sich unter anderem aus der massiven Abwertung von Fremdwährungen und Kurseinbrüchen bei Wertpapieren ergeben, in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht worden, hätten die Dax-Werte 2008 nicht Gewinne von zusammen 28,9 Mrd. Euro ausgewiesen, sondern Verluste von 13,4 Mrd. Euro, berichtet das Düsseldorfer Magazin.

Stark betroffen waren 2008 vor allem Finanzdienstleister. Insbesondere Abschreibungen auf Wertpapiere, die zur Veräußerung stehen, belasteten das Eigenkapital. Bei der Allianz summierten sich die stillen Verluste auf 8,9 Mrd. Euro, bei der Deutschen Bank auf 5,9 Mrd. Euro. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass die Deutsche Bank 3,3 Mrd. Euro an weiteren stillen Verlusten vermieden hatte, indem sie 2008 Wertpapiere für 35 Mrd. Euro in einen Langfristposten der Bilanz umbuchte. Bei Eon reduzierte sich das Eigenkapital vor allem wegen des starken Wertverlusts seiner sechsprozentigen Beteiligung am russischen Energiekonzern Gazprom, die mit 10,4 Mrd. Euro negativ zu buche schlug. Unter dem Strich haben sich binnen eines Jahres wichtige Eon-Bilanzkennzahlen enorm verschlechtert. Das Eigenkapital ist insgesamt um 16,7 Mrd. Euro abgesackt, während die Nettofinanzschulden um 20,6 Mrd. Euro nach oben gesprungen sind. Die Quote von Schulden zu Eigenkapital schnellte so von 27 auf 92 Prozent.

Die Analyse bezieht sich auf alle Abwertungen, die die Unternehmen gemäß den Bilanzregeln IFRS nicht durch die Gewinn- und Verlustrechnung ziehen müssen, sondern direkt ins Eigenkapital verbuchen dürfen. Abschreibungen auf in der Vergangenheit zu teuer eingekaufte Unternehmen (Firmenwerte/Goodwill) mindern dagegen direkt den Gewinn, sie sind in der Analyse demnach nicht berücksichtigt. 2007 hatten die Dax-30-Unternehmen nur 9,6 Mrd. Euro an Wertverlusten im Eigenkapital verbucht. Die 50 wichtigsten börsennotierten Nebenwerte aus dem MDax haben der Exklusiv-Studie zufolge 2008 stille Verluste von 10,7 Mrd. Euro verbucht, nach nur 105 Millionen Euro im Jahr 2007. „Diese Positionen sind für die Unternehmen finanziell maßgeblich. Sie bleiben nicht auf Dauer im Eigenkapital, sondern führen früher oder später in der Regel bei stillen Lasten zu Verlusten oder bei Reserven zu Gewinnen in der Ertragsrechnung“, so Peter Leibfried, Professor für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der Universität St. Gallen.

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