Krisenstimmung
Absatzeinbruch erfasst Zulieferer auf breiter Front

Die Gewinne und Umsätze der Automobilzulieferer brechen ein - und schadet auch den Herstellern Magna, Grammer und Georg Fischer. Es drohen Kürzungen, Entlassungen und Werksschließungen. Experten befürchten, dass einige Unternehmen die Krise nicht überleben werden.

WIEN/FRANKFURT. Die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft die Automobilzulieferer mit voller Härte: In Europa und Nordamerika brechen Aufträge und Gewinne dramatisch ein. Der österreichisch-kanadische Zulieferkonzern Magna sieht sich mit dem stärksten Ertragseinbruch seiner Unternehmensgeschichte konfrontiert. In Deutschland kündigt das bayerische Unternehmen Grammer einen zusätzlichen Stellenabbau an, in der Schweiz musste der Zulieferer Georg Fischer Fabriken schließen.

Unter den Automobilzulieferern hat nun ein Überlebenskampf eingesetzt. „2008 war hart, aber dieses Jahr wird noch härter“, sagte Konzernchef Don Walker gestern bei der Präsentation der Magna-Zahlen. Erst im Jahr 2010 sei mit einer Erholung für die Autozulieferer zu rechnen. Die Magna-Zahlen für das vergangene Jahr sprechen für sich: Im letzten Quartal 2008 hat das kanadisch-österreichische Unternehmen sogar rote Zahlen geschrieben. Der Umsatz fiel im gesamten Jahr von 26 auf 23,7 Mrd. US-Dollar, das operative Ergebnis von 1,15 Mrd. auf 328 Mio. Dollar. Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von gerade noch 71 Mio. Dollar (Vorjahr: 663 Mio.).

Der Konzern litt unter der Krise der Autobauern, in Nordamerika hängt das Unternehmen zu 85 Prozent von den angeschlagenen Herstellern General Motors (GM), Ford und Chrysler ab. Magna verlor im Schlussquartal zwei Mrd. Dollar an Umsatz. Bei Erlösen von 4,8 Mrd. Dollar blieb ein operativer Verlust von 165 Mio. Dollar.

Allerdings macht sich bei Magna jetzt auch das schleppende Europa-Geschäft bemerkbar. In seinem Stammwerk in Graz, wo das Unternehmen im Auftrag von Chrysler Minivans für den europäischen Markt fertigt, fährt Magna schon seit Oktober Kurzarbeit. Der Zulieferkonzern produziert auch Sondermodelle für den schwedischen Autohersteller Saab. Diese Aufträge werden wegen der Insolvenz der Schweden wahrscheinlich verloren gehen. „Wir sind mit einer der schwierigsten Situationen für die Automobilindustrie seit Jahrzehnten konfrontiert, und das auf praktisch allen Märkten“, sagte Siegfried Wolf, zweiter Vorstandschef bei Magna und vor allem für Europa verantwortlich.

Auch in Deutschland wird die Lage schwieriger. Der bayerische Zulieferer Grammer kündigte gestern an, dass das Unternehmen in einer zweiten Welle noch einmal Personal abbauen wird. Zu Details wollte sich ein Unternehmenssprecher noch nicht äußern. Erst vor gut einem Jahr hatte der Zulieferer damit begonnen, etwa 1 000 Arbeitsplätze zu streichen. Im Geschäftsjahr 2008 erreichte Grammer die zuletzt im November bekräftigten Ziele: Der Umsatz stieg um knapp ein Prozent auf 1,01 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) lag mit 32,1 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

Der Nachfrageeinbruch hat auch beim Zulieferer Georg Fischer tiefe Spuren hinterlassen. Werksschließungen und Restrukturierungskosten drückten den Gewinn des Schaffhauser Unternehmens 2008 um mehr als zwei Drittel auf 69 Mio. Franken (rund 46 Mio. Euro). Den Umsatz konnte der Konzern mit 4,47 Mrd. Franken knapp halten. „Viele Zulieferer werden die Wirtschaftskrise nicht überstehen", sagte Ken Fritz, Leiter Fusionen und Übernahmen bei Credit Suisse in Deutschland und Österreich. Er befürchtet, dass rund 20 Prozent der Zulieferer aus dem Markt gedrängt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%