Krisentreffen: Schaeffler blitzt beim Bund ab

Krisentreffen
Schaeffler blitzt beim Bund ab

Der Spielraum für das Familienunternehmen Schaeffler wird immer geringer. Ein Krisentreffen bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ging Donnerstagfrüh ohne verbindliche Zusage für staatliche Hilfe zu Ende. Bis Februar muss das angeschlagene Familienunternehmen nun ein Konzept für die Zuliefergruppe mit Continental vorlegen.

HAMBURG. Schaeffler ist nun in der Pflicht, innerhalb von drei Wochen ein mit den kreditgebenden Banken abgestimmtes Rettungskonzept vorzulegen, erfuhr das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen. Schaeffler bestätigte den Auftrag. "Wir werden in den nächsten Wochen ein zukunfts- und tragfähiges Konzept erarbeiten", sagte ein Unternehmenssprecher.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) mahnte im Anschluss "klare Informationen" an. Teil der von der Politik verlangten Hausaufgaben ist es, alle verbliebenen finanziellen Spielräume auszuschöpfen. Dabei müsse klar sein, dass der Bund nicht in der ersten Reihe stehe, hieß es in Berliner Regierungskreisen: "Zunächst einmal müssen die Unternehmen alle Möglichkeiten bis hin zu Verkäufen von Unternehmensteilen prüfen." Dann seien die Länder am Zuge. Erst danach komme Berlin ins Spiel.

Irritiert sind die Politiker über den als "nach Gutsherrenart" empfundenen Schaeffler-Vorstoß, ohne Gegenleistung Staatsgelder einzufordern. Konkret wächst der Druck, sich auf den geplanten gemeinsamen Autozulieferbereich mit dem übernommenen MDax-Konzern Continental zu konzentrieren. "Um die Schulden zu senken, könnte Schaeffler gezwungen sein, das Industrie- und Luftfahrtgeschäft zu veräußern", hieß es in Bankenkreisen. Trotz Wirtschaftskrise stünden Interessenten bereit.

Damit ist die Schaeffler-Gruppe bei der Bundesregierung mit der Bitte um eine Kapitalspritze vorerst abgeblitzt. Es werde kein weiteres Gespräch geben, bevor nicht das angemahnte Konzept vorliege, hieß es auch in Kreisen der betroffenen Bundesländer Bayern und Niedersachsen. Wichtig ist vor allem den Norddeutschen, dass eine mögliche Landeshilfe bei Conti in Hannover landet und nicht bei Schaeffler in Herzogenaurach. Zusammen beschäftigen die Unternehmen 215 000 Menschen.

In einem Sitzungsmarathon, der Mittwochabend gegen 22 Uhr begonnen hatte und Donnerstagfrüh gegen ein Uhr endete, beriet der von nun an federführende Bundeswirtschaftsminister Glos die Lage mit den Ministerpräsidenten Horst Seehofer (Bayern, CSU) und Christian Wulff (Niedersachsen, CDU) sowie den Unternehmensspitzen von Schaeffler, Jürgen Geißinger, und Conti, Karl-Thomas Neumann. Am Tisch saß zudem die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Informell soll die Schaeffler-Gruppe nach einem Kapitaleinschuss in Höhe von drei bis vier Mrd. Euro gefragt haben. Beobachter bestätigen die Dimension. Bereits im November hatten die Investmentbanker von Perella Weinberg Schaefflers kurzfristigen Kapitalbedarf in einem internen Papier für die Conti-Spitze auf vier bis sechs Mrd. Euro taxiert.

In Berliner Regierungskreisen hieß es, die Faktenlage für eine abschließende Beurteilung des Falls sei noch "viel zu dünn". Eindeutig sei aber schon, dass es keine Beteiligung des Staates geben werde. Auch Hilfsinstrumente wie Bürgschaften und Garantien könnten sich nur "im Rahmen des Üblichen" bewegen. Sollten überhaupt Hilfen gewährt werden, wäre ein je hälftiger Anteil des Bundes auf der einen und der Länder auf der anderen Seite die Verhandlungsbasis. Einwände gegen staatliches Eingreifen kommen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). "Wir können es doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliarden-Vermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen", sagte er der "Berliner Zeitung".

Unter den Beschäftigten wächst indes die Unruhe. "Die Sorgen bei den Arbeitnehmern sind groß", sagte Wolfgang Müller von der IG Metall. Im operativen Geschäft sieht es immer düsterer aus: An einigen Standorten gibt es bereits Kurzarbeit - und die wird nun ausgeweitet, hieß es in Unternehmenskreisen. Den Mitarbeitern wird das nächste Woche mitgeteilt. Konzernweit soll es ab Februar Kurzarbeit geben, im Schnitt wird 20 Prozent weniger gearbeitet.

Eigentümerin Schaeffler, verteidigte die Übernahme von Conti dagegen nach heftigen persönlichen Angriffen in Boulevardblättern. "Wir haben im Juli 2008 verantwortlich und nach bestem Wissen entschieden", sagte sie der "Bild"-Zeitung. In den vergangenen Tagen hatte sich eine Debatte um das Privatvermögen der Eignerin entsponnen, die als eine der reichsten Deutschen gilt. Ihr Vermögen soll im Unternehmen stecken.

Die Schätzungen über den verbleibenden finanziellen Spielraum der Schaeffler-Gruppe reichen von vielen Monaten bis zu wenigen Wochen. Die Zweifel, ob die Franken das Krisenjahr 2009 stemmen, wachsen. "Es wird immer enger", hieß es im Unternehmensumfeld. Offiziell wollte sich Schaeffler nicht äußern. Ein wichtiges Indiz ist, dass die Kreditklauseln (Covenants) gebrochen sein sollen. Zwar hätten die Banken notgedrungen fürs erste den Spielraum erweitert, hieß es, aber dabei handelt es sich offenbar nicht um eine dauerhafte Lösung. Von ax/ink/iw/rob/str/mcs

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