Krisentreffen
Schiffbauindustrie fordert Unterstützung

Der deutsche Schiffbau macht keinen Hehl daraus, dass er auf eine schwere Krise zuschippert. Im Gegenteil: Die Branche fordert Hilfe von der Regierung, damit man die schwere Zeit überstehen kann. Immerhin geht es ja auch um viele Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen.

HB HAMBURG. Die deutsche Schiffbauindustrie fordert von der Politik eine umfassende Unterstützung zur Krisenbewältigung der Branche. „Nur zügiges industriepolitisches Handeln kann dem deutschen Schiffbau die nötige Atempause verschaffen“, erklärte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) im Vorfeld der 6. Nationalen Maritimen Konferenz, die seit Montag unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel in Rostock stattfindet.

Die Bundesregierung will in Rostock mit den Werften und den Gewerkschaften über die Lage des Schiffbaus beraten. Der VSM will dort seine Handlungsempfehlungen vorstellen. Das Maßnahmenpaket zur Auftrags- und Beschäftigungssicherung umfasse unter anderem die branchengerechte Anpassung des KfW-Sonderprogramms, die auftragsunabhängige Bewilligung von Innovationsvorhaben sowie das Vorziehen öffentlicher Aufträge.

Der deutsche Schiffbau steuert im Fahrwasser der internationalen Finanzprobleme auf eine schwere Krise zu. Seit Januar 2008 wurden laut VSM bei deutschen Werften 40 Schiffe mit einem Auftragswert von rund 1,5 Mrd. Euro storniert, darunter elf Schiffe allein 2009. Weitere 26 Aufträge im Wert von rund 1,2 Mrd. Euro seien gefährdet. Vier Werften seien bereits insolvent gegangen. Gleichzeitig sei die Neubaunachfrage im ersten Quartal weltweit praktisch zum Erliegen gekommen.

Wenn es nicht gelinge, den verbliebenen Auftragsbestand zu sichern und die Schiffbaukonjunktur anzukurbeln, würden sich bei vielen Werften schon 2009 große Auftragslücken auftun, prognostizierte VSM-Geschäftsführer Werner Lundt. Dies bedeute sicher Kurzarbeit und wahrscheinlich Arbeitsplatzabbau.

Die Werften haben laut Verband ihre Produktpalette bereits auf werthaltige und ausrüstungsintensive Schiffstypen umgestellt: Kreuzfahrt- und Fährschiffe, Yachten und Spezialschiffe für die Offshore-Technik machen demnach inzwischen zwei Drittel der zukünftigen Produktion aus. Der Anteil von Containerschiffen am Wert der Ablieferungen habe sich von rund 42 Prozent auf 16 Prozent des Auftragsbestandes im Jahr 2008 reduziert.

Die IG Metall hatte am Freitag gewarnt, in der Branche sei jeder zehnte Arbeitsplatz in Gefahr. Der Gewerkschaft zufolge arbeiten in der maritimen Wirtschaft 100 000 Beschäftigte, davon 20 000 auf den 35 Seeschiffswerften, 70 000 in der Zulieferindustrie sowie 10 000 Leiharbeiter. 10 000 Jobs seien wegen wegbrechender Neubauaufträge unmittelbar bedroht.

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