Kritik am Gesundheitsmodernisierungsgesetz
Arzneimittelhersteller wollen Preise anheben

„Es wird zum Jahresende oder zu Anfang 2005 nach einem mehr als zweijährigen Preisstopp moderate Preiserhöhungen bei Arzneimittel geben“, kündigte der Chef des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) am Mittwoch an.

HB BERLIN. Bernd Wegener kritisierte anlässlich des BPI-Unternehmertages in Berlin außerdem das Gesundheitsmodernisierungsgesetz der Regierung. Die selbstgesteckten Ziele würden damit nicht erreicht und auch die Beiträge würden nicht signifikant sinken. „Die Reform würgt - und zwar alle Beteiligten von den Ärzten über die Patienten bis hin zur Pharmaindustrie“, sagte Wegener laut Redetext. Er warnte davor, den Arzneimittelherstellern weitere Beiträge zur Sanierung der gesetzlichen Krankenkassen abzuverlangen.

Allein von Januar bis September hat der 16-prozentige „Zwangsrabatt“ die Hersteller laut Wegener mit 1,1 Mrd. € belastet. Der hochgerechnete Wert von knapp 1,7 Mrd. € für das Gesamtjahr liege um 700 Mill. € höher als von der Politik veranschlagt. „Mit dem 16-prozentigen Zwangsrabatt muss Endes dieses Jahres definitiv Schluss sein. Alles andere wäre ein katastrophales Signal an den Pharmastandort Deutschland.“

Daneben müsse die Branche einen drastischen Umsatzrückgang als Folge der Reform verkraften. Die verkaufte Anzahl von Verpackungen verschreibungspflichtiger Arzneien sei in den ersten neun Monaten um 9,2 % gesunken. Durch den Ersatz preisgünstiger alter Medikamente durch innovative neue sei aber der Umsatz um zwei Prozent auf 9,8 Mrd. € gestiegen. Bei verschreibungsfreien Medikamenten sei bei den Packungen die Verkaufzahl um 57,5 % und der Umsatz um 46,5 % auf 639 Mill. € abgesackt.

Wenn die Arzneimittelausgaben im ersten Quartal 2005 deutlich über denen vom ersten Quartal 2004 liegen werde, so liege das vor allem an dem damaligen starken Einbruch. Damals hätten sich Versicherte und Patienten bis Ende 2003 im Vorfeld der Gesundheitsreform umfangreich mit Medikamenten bevorratet. Damit dürften die absehbaren Steigerungsraten ein verzerrtes Bild zeichnen, sagte Wegener. Dennoch werde sicher wieder versucht, die Pharmaindustrie zum Sündenbock für die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem zu machen.

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