Kritik am Vorgehen des Staates
Analysten ärgern sich über Frankreich

Auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: Analysten und Fondsmanager zeigen sich verschnupft darüber, dass es die französische Regierung offenbar geschafft hat, Novartis um das Rennen um Aventis auszuschließen. Die Staatsintervention wirft ihrer Ansicht nach ein schlechtes Licht auf den französischen Aktienmarkt.

ali/fs LONDON/PARIS. „Vor allem amerikanische Investoren könnten einen neuen Protektionismus auf dem französischen Markt befürchten“, sagt Francois Hamon, Analyst bei CIC Securities in Paris. Auch in London ist die Empörung groß. „Die Regierung will noch immer über nationale Champions entscheiden. Das ist nicht gesund“, sagt David Dudding vom Fondsmanager Threadneedle.

Kritik geht auch an die Adresse von Novartis. Hamon hätte sich im übrigen gewünscht, dass Novartis es auf ein Kräftemessen mit der Regierung ankommen lässt: „Letztlich besitzt die Regierung keine wirklichen Mittel, um die Fusion zu verhindern.“ Möglicherweise diene der Verweis von Novartis auf die politischen Widerstände nur als Ausrede, um sich des Fusionsprojekts elegant zu entledigen. „Die Glaubwürdigkeit des Novartis-Management ist jetzt geschwächt“, meint Hamon. Nach Roche wäre nun bereits der zweite Fusionsanlauf in kurzer Zeit gefloppt.

In London wiederum können einige Institute die Haltung des Umworbenen nicht nachvollziehen. „Es hätte an Aventis gelegen, für klare Verhältnisse zu sorgen und die Präferenz kundzutun“, sagt der Manager eines Fonds. Auch Dudding sagt: „Selbst wenn die französische Regierung eine Novartis-Übernahme verhindern will, weiß ich nicht, wie sie das schaffen will.“

Für die Haltung der französischen Regierung, die sich mehrfach klar gegen eine Übernahme von Aventis durch Novartis ausgesprochen hat, zeigt man in Frankreich sogar Verständnis. Analyst Hamon: „Angesichts der demographischen Probleme, die Europa bekommen wird, gibt es eine starke Motivation, einen weltweit tätigen Pharmakonzern mit Sitz in Europa zu halten.“ Andernfallls drohe ein großer Know-how-Verlust in Richtung angelsächsische Staaten.

Trotz des sich abzeichnenden Rückzugs von Novartis hält es Hamon durchaus für möglich, dass ein US-Konzern ins Rennen um Aventis einsteigt. Damit sei aber erst Ende April zu rechnen, kurz bevor in den USA die Frist für die Sanofi-Offerte beginnt. „Ein US-Pharmakonzern könnte entschlossener sein, die Fusion gegen alle Widerstände durchzuboxen“, sagt Hamon. Für geeignete Kandidaten hält er vor allem die Pharma-Riesen Pfizer und Merck.

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