Kritik an Mittals Übernahmeplänen: Chirac stärkt Arcelor-Führung den Rücken

Kritik an Mittals Übernahmeplänen
Chirac stärkt Arcelor-Führung den Rücken

Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat Bedenken gegen die geplante Übernahme des luxemburgischen Stahlkonzerns Arcelor durch den Konkurrenten Mittal als legitim bezeichnet. „Wir haben nichts gegen ein nicht-europäisches Angebot“, sagte er am Montag während eines Besuchs in Indien.

DÜSSELDORF. Es sei aber das Recht der Europäer, sich um ihre Arbeitsplätze, ihre Zukunft und ihre Technologien zu sorgen. Mittals konkrete Pläne für Arcelor seien weiter unklar, kritisierte der Premier.

Der britisch-indische Familienkonzern Mittal Steel mit Sitz in Rotterdam will den Luxemburger Konkurrenten Arcelor für knapp 19 Mrd. Euro übernehmen. Die Führung von Arcelor lehnt dies ab und kann dabei auch auf Unterstützung der Politik setzen. Arcelor-Chef Guy Dollé hat mehrfach erklärt, das Angebot spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider. Arcelor war Anfang 2002 aus der Fusion der führenden Stahlunternehmen Frankreichs, Spaniens, Luxemburgs und Belgiens entstanden. Allein in diesen drei Ländern beschäftigt der Konzern zwei Drittel seiner weltweit 94 000 Mitarbeiter.

Mittal Steel will das Angebot trotz des Widerstands des Arcelor-Managements und der Politik nicht erhöhen. Eine Korrektur sei nicht notwendig, sagte Lakshmi Mittal, Gründer und Vorstandschef des weltgrößten Stahlherstellers einem indischen Nachrichtensender. Der in Indien geborene Stahlmagnat, der seit mehr einem Jahrzehnt in London lebt, kritisierte, manche Kommentare jener europäischen Politiker, die die Übernahme ablehnten, könnten als rassistisch gewertet werten. Mittal betonte, sein Unternehmen werde im Falle einer Übernahme alle Verpflichtungen Arcelors gegenüber Beschäftigten und Dritten erfüllen. Durch das Übernahmeangebot vom 27. Januar habe sich der Aktienwert beider Unternehmen um acht Mrd. Dollar erhöht. Viele Aktionäre Arcelors, mit denen er sich in den vergangenen Wochen getroffen habe, hätten sich zufrieden gezeigt. Die Übernahme sei nicht nur für die beiden Konzerne, sondern für die weltweite Stahlindustrie wichtig.

Der indische Premierminister Manmohan Singh sagte, er habe die Angelegenheit mit Chirac besprochen. Er hoffe auf eine faire Lösung, bei der alle Interessen berücksichtigt würden. Singh hatte sich vor dem Gespräch mit Lakshmi Mittal getroffen. Aus der Regierung in Neu Delhi waren Vorwürfe laut geworden, europäische Regierungen könnten aus Gründen der Rassendiskriminierung gegen die Übernahme sein.

In die seit Ende Januar laufende Übernahmeschlacht hat sich am Wochenende erstmals ein großer Finanzinvestor eingeschaltet. Der US-Hedge-Fonds Atticus Capital hat das Arcelor-Management aufgefordert, das Übernahmeangebot Mittals für die Nummer zwei der Branche zu prüfen und in Verhandlungen einzutreten. Diese sollten zum Ziel haben, Mittal zu einer Aufstockung des Angebots zu bewegen. Atticus behalte sich vor, seine Interessen auf der Hauptversammlung von Arcelor am 28. April zu schützen und im Zweifel vor Gericht durchzusetzen.

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