Kritik an RWE-Tochter
Dürre in London macht Thames Water zu schaffen

Thames Water, die Londoner Wasser-Tochter von RWE, hat ein unerwartetes Problem: Es regnet zu wenig in London. Nun hagelt es dafür Kritik, weil das Unternehmen den Londonern die Gartenschläuche zudreht, während aus ihren maroden viktorianischen Leitungen mehr als 10 000 Liter Trinkwasser in der Sekunde in den Boden sickern.

LONDON. Gestern veröffentlichte das Unternehmen für das Jahr zum 31. März einen Gewinnsprung um ein Drittel. Das freut die Mutter RWE, die ihre Wassertochter bald an die Börse bringen will, wird die Begeisterung der Kunden fürs Wassersparen aber kaum erhöhen.

Noch dazu musste Thames Water ein Geständnis machen: Während der Gewinn – ohne das internationale Geschäft – auf 246 Mill. Pfund (357 Mill. Euro) stieg, verfehlte das Unternehmen das mit der Regulierungsbehörde Ofwat vereinbarte Ziel zur Reduzierung der Wasserlecks deutlich. Die Verluste durch undichte Leitungen sollten von zuletzt 915 auf 860 Mill. Liter am Tag sinken, blieben aber bei 894 Mill. Litern. Schon 2004/05 hatte Thames Water die Vorgaben verfehlt.

„Das ist unakzeptabel“, rügt ein Ofwat-Sprecher. Die Behörde habe Thames Water erlaubt, die Preise von 2005 bis 2010 um 24 Prozent zu erhöhen. Doch nun halte das Unternehmen seinen Teil des Abkommens nicht ein. „Diese schwache Leistung trägt zur Wasserknappheit bei.“

Eskalation in drei Stufen

Unmittelbarer Auslöser der gegenwärtigen Wassernot sind zwei ungewöhnlich trockene Winter. Die Reservoirs haben sich geleert und die Umweltbehörde sagt, der Südosten Englands sei schlechter mit Wasser versorgt als Teile des Sudan.

Thames Water hat den Londonern darum verboten, ihre Gärten mit Schläuchen oder Sprinklern zu nässen. Und die nächste Eskalationsstufe ist schon beantragt: Wenn sich die Lage im Sommer zuspitzt, will das Unternehmen das Autowaschen und Fensterputzen untersagen. Als letzten Schritt kann es die Bürger zwingen, sich mit Eimern an öffentlichen Zapfstellen zu versorgen. Das gab es zuletzt vor 15 Jahren.

Die aktuelle Dürre deckt gleich mehrere Probleme des Systems auf: Die Wasserversorgung der Sieben-Millionen-Metropole London und ihres dicht besiedelten Umlandes hält kaum mit dem Bevölkerungswachstum Schritt, das veraltete Leitungsnetz bringt eine gewaltige Verschwendung mit sich und es gibt keine Anreize zum Wassersparen.

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