Kritik an Sanierungsprogramm: Politiker treten bei Airbus nach

Kritik an Sanierungsprogramm
Politiker treten bei Airbus nach

Der europäische Luftfahrt-Konzern hat am Mittwoch seine Sanierungspläne vorgestellt. Bundesklanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Jaques Chirac hatten persönlich Einfluss darauf genommen und sie gutgeheißen. Doch nun fallen Politiker der zweiten und dritten Reihe beiderseits der Grenze über das krisengeschüttelte Unternehmen her.

HB BERLIN. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee forderte einem Zeitungsbericht zufolge Nachverhandlungen der Bundesregierung mit dem Airbus-Mutterkonzern EADS über das Sanierungsprogramm. „Die Politik wird Einfluss nehmen“, sagte Tiefensee der „Passauer Neuen Presse“ (Freitagausgabe). „Jetzt müssen wir alle Spielräume ausnutzen, um noch mehr Jobs zu erhalten.“ Das technologische Know-how bei Airbus dürfe nicht mit den Arbeitsplätzen verloren gehen. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen.“

Airbus will mit dem Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen und dem ganzen oder teilweisen Verkauf von sechs der insgesamt 16 europäischen Werke aus der Krise kommen, in die der Flugzeugbauer nach den Lieferschwierigkeiten bei seinem Großraumflugzeug A380 gekommen war. Der Vorstellung des Sparprogramms „Power8“ war ein Gerangel um die Verteilung der Lasten zwischen den einzelnen Ländern vorangegangen, speziell zwischen Deutschland und Frankreich. Mit dem Abbau von 4 300 Stellen ist Frankreich stärker betroffen als Deutschland, wo 3 700 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Mit dieser Situation wollen sich französische Regionalpolitiker nicht abfinden. Mit Hilfe der Staatsbank CDC planen sie, bei der börsennotierten Airbus-Mutter EADS einzusteigen, um die geplanten Werksverkäufe zu verhindern. Ihr Vorbild ist der Einstieg der deutschen Bundesländer bei EADS. Aus Sorge um die deutschen Airbus-Standorte hatten sich Bremen, Hamburg und Niedersachsen an den 7,5 Prozent des EADS-Kapitals beteiligt, die Daimler-Chrysler Ende Januar an ein Investorenkonsortium verkauft hatte.

Franzosen schäumen

In Frankreich herrscht die Meinung vor, dass sich das Airbus-Management um Louis Gallois bei der geplanten Sanierung des Konzerns von der deutschen Seite habe über den Tisch ziehen lassen. „Der Sparplan ist überhaupt nicht ausgeglichen“, sagte Jean-François Knepper, französischer Co-Präsident des europäischen Airbus-Betriebsrats. Das sieht der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger gänzlich anders: Er warf den französischen Partnern eine zu starke Dominanz in der Industriepolitik vor.

Neben den niedersächsischen Standorten in Varel und Nordenham ist auch das Werk Laupheim bei Ulm von den Verkaufsplänen betroffen. Für alle drei gibt es offenbar schon Interessenten. Dabei kämen sowohl unternehmerische als auch Finanzinvestoren in Frage, hieß es in Kreisen von SPD-Parlamentariern.

In Frankreich wird das Airbus-Sparprogramm sogar zum Thema im Wahlkampf um die Präsidentschaft im April. Während sich der konservative Kandidat Nicolas Sarkozy für einen geringeren Einfluss des Staates stark macht und die Aktionärsstruktur bei EADS als größtes Problem bezeichnet, forderte seine sozialistische Herausforderin Segolene Royal verstärkte staatliche Interventionen. Airbus soll auch Thema von Royals Treffen mit Angela Merkel am Dienstag sein. Mit Staatspräsident Jaques Chirac hatte die Bundeskanzlerin den Komplex vergangene Woche erörtert.

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