Kritik an Sparprogramm
Druck auf Thyssen-Führung wächst

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp gerät im Konflikt um das geplante Sparprogramm stärker unter Druck. Vor einer Aufsichtsratssitzung der Stahlsparte hat der Betriebsrat für diesen Donnerstag eine öffentliche Betriebsversammlung angesetzt. Erwartet würden mehrere Tausend Beschäftigte aus ganz Deutschland.

mur FRANKFURT. Dies teilte die Gewerkschaft IG Metall gestern mit. Mit der Versammlung wollen Betriebsrat und IG Metall den Druck auf den Vorstand erhöhen, der auf der im Anschluss geplanten Aufsichtsratssitzung seine Sparpläne offenlegen soll. Das außerordentliche Treffen ist auf Antrag der Arbeitnehmervertreter einberufen worden.

Hintergrund ist die Ankündigung von Vorstandschef Ekkehard Schulz, bei dem geplanten Sparprogramm nicht auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen. Auch wenn in Konzernkreisen nicht mit dieser härtesten Form des Stellenabbaus gerechnet wird, hat die Ankündigung für große Verunsicherung in der Belegschaft geführt.

Mit Verweis auf die Wirtschaftskrise plant die Konzernführung ein Sparprogramm mit einem Volumen von über einer Mrd. Euro. Der Großteil davon soll auf die Stahlsparte mit ihren rund 40 000 Beschäftigten entfallen. Im Gespräch ist eine Summe von 400 bis 500 Mio. Euro, die auch vom Konzern bestätigt wird.

Thyssen-Krupp Steel setzt vor allem die Flaute in der Automobilindustrie zu, die rund 40 Prozent des produzierten Stahls abnimmt. Nach Konzernangaben sank der Auftragseingang zuletzt um bis zu 50 Prozent. Für vielen Bereiche wurde bereits Kurzarbeit vereinbart.

Der Betriebsrat befürchtet nun, dass der Vorstand massiv Arbeitsplätze abbauen will. Der Personalanteil am Gesamtsparvolumen könnte bei über 50 Prozent liegen, sagte der Betriebsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp Steel, Wilhelm Segerath. Der Vorstand hatte beteuert, dass der Anteil bei 20 Prozent liegen soll.

Segerath bemängelte zudem, dass der Vorstand den Betriebsrat bislang nicht in seine Pläne eingeweiht habe. "Wir wollen wissen, warum in einem montanbestimmten Betrieb derartige Dinge hinter verschlossenen Türen behandelt werden." In montanbestimmten Unternehmen haben die Mitarbeiter größere Mitspracherechte als in anderen Unternehmen.

Ein Sprecher von Thyssen-Krupp bestätigte das angesetzte Aufsichtsratstreffen, äußerte sich aber nicht zu der geplanten öffentlichen Betriebsversammlung.

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