Kritik auf Hauptversammlung
„Wella ist nur noch Lohnfertiger“

Die Wella-Minderheitsaktionäre halten ihren Widerstand gegen die Eingliederung des Kosmetikherstellers in den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble aufrecht. Sie fuhren schweres Geschütz auf.

HB FRANKFURT. Auf der Wella-Hauptversammlung in Frankfurt, die seit Dienstag läuft, hielten sie der Führung des Darmstädter Unternehmens schwere Fehler im Zusammenhang mit der Übernahme vor. Die Minderheitsaktionäre warfen der Wella-Führung vor, sie habe das Unternehmen zu einem bloßen Lizenzgeber und Lohnfertiger für den US-Konzern gemacht.

Zum Abschluss der zweitägigen Versammlung sollen die Anteilseigner am Mittwoch den Zwangsausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre („Squeeze-Out“) beschließen und Procter & Gamble damit die vollständige Kontrolle über Wella geben. Die Zustimmung zu den Plänen steht außer Frage, da Procter & Gamble bereits 96,9 Prozent des Wella-Grundkapitals hält.

Vertreter der Kleinaktionäre kritisieren die vorgesehene Zwangsabfindung von 80,37 Euro pro Aktie als zu gering. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte am Dienstag einen Abfindungsbetrag zwischen 105 und 111 Euro gefordert.

Der Anwalt mehrerer Kläger gegen den im vergangenen Jahr geschlossenen Beherrschungsvertrag hielt beiden Unternehmen vor, durch das Squeeze-Out-Verfahren wollten sie mögliche Schadenersatzansprüche vereiteln. Procter & Gamble habe bereits vor der Hauptversammlung 2004 ohne Rechtsgrundlage erheblich in die Wella-Konzernstruktur eingegriffen und dadurch den Unternehmenswert gemindert. Er forderte eine erneute Sonderprüfung und kündigte weitere Anfechtungsklagen gegen den Beherrschungsvertrag an.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) verlangte Auskunft darüber, zu welchen Konditionen sich Procter & Gamble mit den Fondsgesellschaften geeinigt habe, die anfangs zu den lautesten Kritikern der Wella- Übernahme gehört hatten. Zudem bemängelte SdK-Vorstandsmitglied Reinhild Keitel angebliche formale Fehler bei der Vorbereitung des Zustimmungsbeschlusses der letztjährigen Hauptversammlung zum Beherrschungsvertrag.

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