Kritik aus Frankreich
Bahnchefs streiten um Marktzugang

Mit harten Vorwürfen hat der Chef der französischen Staatsbahn Guillaume Pépy den deutschen Bahnchef Mehdorn angegriffen: Die Deutsche Bahn missbrauche ihre Marktmacht und verhalte sich gegenüber Mitarbeitern der Konkurrenz illegal. Mehdorn gibt sich überrascht. Seit Jahren schwelt ein Konflikt zwischen den benachbarten Konkurrenten.

DÜSSELDORF. Der seit langem schwelende Streit zwischen der französischen Staatsbahn SNCF und der Deutschen Bahn über geschäftliche Aktivitäten im jeweils anderen Land spitzt sich zu. SNCF-Chef Guillaume Pépy hat in einem französischen Zeitungsinterview den Deutschen Missbrauch ihrer Marktmacht und illegales Verhalten gegenüber SNCF-Mitarbeitern vorgeworfen. Nun kommt postwendend die Antwort: Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigte sich in einem Brief an Pépy „überrascht und betroffen“ über dessen „Auftritt in der Presse“, und forderte ein ausgewogenes Handeln.

In dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, stellt Mehdorn fest, dass die SNCF und andere französische Unternehmen wie Veolia von der in Deutschland weiter als in Frankreich vorangeschrittenen Öffnung der Verkehrsmärkte erheblich profitierten. Die SNCF-Tochter Keolis sei bereits seit 1999, Veolia sogar seit 1998 im deutschen Markt aktiv. Französische Anbieter hätten im Schienennahverkehr in Deutschland bereits einen Marktanteil von über fünf Prozent.

Umgekehrt würden die Deutsche Bahn und andere ausländische Unternehmen in Frankreich mit einem geschlossenen Personenverkehrsmarkt, einem kaum zugänglichen kommunalen Personennahverkehrsmarkt und mit „erheblichen Problemen bei der praktischen Durchführung des Schienengüterverkehrs“ konfrontiert.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Pépy vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass die Deutsche Bahn mit ihren Töchtern EWS und Transfesa innerhalb eines Jahres bereits einen Marktanteil von über sechs Prozent im Schienengüterverkehr in Frankreich erzielt hätten. Falls die Deutsche Bahn auch bei der Schweizer Güterbahn SBB Cargo einsteige, müsse man „Beschwerde wegen Missbrauchs einer dominanten Position erheben“, hatte der SNCF-Chef am Wochenende im Interview erklärt.

Mehdorn verwies in seinem Brief nunmehr darauf, französische Unternehmen hätten mit einem „sehr aggressiven Auftritt“ einschließlich Klagen und Lobby-Aktivitäten für die Marktöffnung in Deutschland gekämpft. „Alles, was in Deutschland an Marktöffnung richtig ist und von der SNCF selbstverständlich genutzt wird, kann für Frankreich nicht so falsch sein“, schreibt Mehdorn an Pépy. Deshalb werde die Deutsche Bahn künftig auch in Frankreich juristisch für die Öffnung der Verkehrsmärkte streiten – so wie sie es bei einer Nahverkehrsvergabe in Bordeaux bereits getan habe.

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