Krugmann
Nobelpreisträger beerdigt US-Autobranche

Der diesjährige Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman glaubt nicht an eine Rettung für die angeschlagene US- Autoindustrie. Drei Tage vor Entgegennahme der Auszeichnung sagte der Professor von der US-Universität Princeton und Autor zahlreicher wirtschaftspolitischer Schriften am Sonntag in Stockholm, mit dem in Washington geplanten Rettungspaket würden wahrscheinlich nur "zwei Monate Zeit gekauft".

ben/gie NEW YORK/STOCKHOLM. Was danach geschehen könne, wisse er nicht, meinte Krugman. Da die Probleme der führenden US-Autounternehmen aber nicht nur durch die Finanzprobleme, sondern auch strukturell bedingt seien, würden die betroffenen Konzerne am Ende aber wohl verschwinden.

Krugman sprach sich für Regierungsprogramme zur Ankurbelung der Konjunktur aus, wie sie vom künftigen US-Präsidenten Barack Obama geplant in der letzten Wochen unter anderem auch durch die schwedische Regierung aufgelegt worden sind. Damit könne man den "enormen Druck auf die Wirtschaft" mindern.

Krugman erhält den mit zehn Mio. Kronen (950 000 Euro) dotierten Nobelpreis für seine Beiträge zur Theorie des Außenhandels und zur Wirtschaftsgeografie am Mittwoch in Stockholm aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. Der 55-jährige Wirtschaftswissenschaftler hat sich in den letzten Jahren als scharfer Kritiker der Wirtschaftspolitik von Präsident George W. Bush profiliert.

Derzeit sieht es so als, als ob sich die angeschlagene und um Staatshilfe bettelnde US-Autoindustrie ins neue Jahr retten kann. Bei den Verhandlungen von Republikanern und Demokraten in Washington zeichnet sich ein 17 Mrd. Dollar großes Rettungspaket ab, mit dem ein Kollaps von General Motors (GM) und Chrysler noch im Dezember verhindert werden soll. Die beiden Autohersteller und ihr Konkurrent Ford hatten um Hilfen im Volumen von 34 Mrd. Dollar gebeten.

„Das ist ein guter Anfang. Wir werden jetzt daran arbeiten, dass er Gesetz wird.Im nächsten Jahr werden wir dann mit dem neuen Präsidenten Obama eine endgültige Lösung erarbeiten“, sagte John Dingell, Autoexperte der Demokraten im Kongress. Eine formale Einigung der Parteien in Washington über die Konditionen, zu denen die Kredite gewährt werden sollen, lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Ihr müsste eine Parlamentsabstimmung folgen, die für Dienstag erwartet wird.

Die prinzipielle Einigung zwischen Präsident George Bush und den oppositionellen Demokraten, die mit Barack Obama ab Ende Januar das Weiße Haus führen werden, kam offenbar unter dem Eindruck der desaströsen Arbeitsmarktzahlen vom Freitag zu Stande. Mit 533 000 Stellen wurden im November so viele Arbeitsplätze in den USA gestrichen wie noch nie seit der Energiekrise 1974. Die Autobauer hatten im Werben um Steuerhilfen vor allem damit argumentiert, eine Pleite könnte bis zu vier Millionen Menschen den Arbeitsplatz kosten. Nach den Arbeitsmarktdaten vom Freitag gab die demokratische Mehrheitsführerin im Kongress, Nancy Pelosi, ihre Forderung auf, die Staatshilfe müsse aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Bankenrettungsprogramm „Tarp“ kommen. Nun werden voraussichtlich bis zu 17 Mrd. Dollar aus einem Programm zur Erforschung energiesparender Technologien kommen.

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