Krupp-Stiftung
Das Machtzentrum des Essener Konzerns

Die Krupp-Stiftung ist ein Bollwerk des Stahlkonzerns gegen potenzielle feindliche Übernahmen. In der aktuellen kritischen Situation sind die knappen Finanzen der Stiftung aber ein Handicap.
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DüsseldorfDas Schicksal des Konkurrenten Arcelor hatte Berthold Beitz, den mächtigen alten Mann von der Villa Hügel, aufgeschreckt. Nach monatelangem Kampf war es dem indischen Milliardär Lakshmi Mittal im Sommer 2006 gelungen, den größten europäischen Stahlkonzern Arcelor zu übernehmen. So etwas, beschied Beitz, dürfe Thyssen-Krupp niemals passieren.

Als Testamentsvollstrecker des Erbes der Industriellenfamilie Krupp und als Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung musste Beitz ein Bollwerk gegen potenzielle Angreifer errichten. Denn die Stiftung ist gemäß ihrer Satzung dazu verpflichtet, die Eigenständigkeit des Unternehmens zu wahren. Allerdings besitzt sie bis heute nur 25 Prozent der Anteile – deutlich weniger als die Mehrheit.

Trotzdem ist Thyssen-Krupp seit Januar 2007 vor einer feindlichen Übernahme gut geschützt. Kurz nach Mittals Sieg über Arcelor beschloss die Hauptversammlung des Ruhrkonzerns eine umstrittene Satzungsänderung. Die Krupp-Stiftung kann seitdem ohne Zustimmung der übrigen Aktionäre drei Vertreter in den 20-köpfigen Aufsichtsrat entsenden.

Gemeinsam mit den zehn Stimmen der Arbeitnehmerbank hat sie so bei wichtigen Entscheidungen stets eine Mehrheit im Kontrollgremium. Das Entsenderecht macht die Stiftung zum Machtzentrum von Thyssen-Krupp – sie hat dadurch eine ähnlich starke Stellung wie die Eigentümerfamilien Quandt und Henkel bei den Dax-Konzernen BMW und Henkel.

Immer wieder gibt es Diskussionen, ob die spezielle Konstruktion rechtmäßig ist und dem Konzern nutzt. Zwar hat das Landgericht Essen eine Anfechtungsklage gegen das Entsenderecht zurückgewiesen und es für zulässig erklärt, dass die Stiftung bei der Besetzung von Aufsichtsratsmandaten bevorzugt wird. Gleichwohl sehen Kritiker das Prinzip „Eine Aktie, eine Stimme“ bis heute verletzt.

In der aktuellen kritischen Lage von Thyssen-Krupp sind außerdem die knappen Finanzmittel der Stiftung ein Handicap. Denn der Konzern bräuchte dringend eine Kapitalerhöhung, um seine hohen Schulden abzutragen. Doch den Preis dafür will Beitz nicht zahlen: eine Verwässerung des Stiftungsanteils und den damit verbundenen Machtverlust.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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