Kürzung von Investitionsausgaben
Enel will Schulden abbauen

Der zweitgrößte europäische Versorger Enel plant eine Kapitalerhöhung über acht Mrd. Euro, um seine Schulden zu reduzieren. Außerdem weill sich der Konzern von Unternehmensteilen im Wert von zehn Mrd. Euro trennen. Die Italiener wollen sich damit ein gutes Rating der Agenturen sichern, die die Bonität der Anleihen bewerten.

MAILAND. Mit einem schlechteren Rating müsste Enel am Kapitalmarkt deutlich mehr Zinsen bezahlen, um sich Geld zu beschaffen. Der Schuldenberg drohte zuletzt auf mehr als 60 Mrd. Euro anzusteigen.

Die Kapitalerhöhung, die die Hauptversammlung noch genehmigen muss, scheint bereits in trockenen Tüchern: Die Banken Intesa Sanpaolo, JP Morgan und Mediobanca werden die Kapitalerhöhung begleiten und im Falle mangelnder Nachfrage bis zu insgesamt 5,5 Mrd. Euro - also rund zwei Drittel - selbst zeichnen. Auch der italienische Staat, der rund ein Drittel der Aktien von Enel hält, hat bereits signalisiert, dass er den Rest der Kapitalerhöhung trägt. Als mögliche Investoren gelten unter anderem libysche Staatsfonds, die sich bereits an verschiedenen italienischen Unternehmen wie Fiat und Unicredit beteiligt haben.

„Bis vor wenigen Monaten habe ich gedacht, wir bewegen uns auf sicherem Grund“, sagte Konzernchef Fulvio Conti. Aber „wenn die Marktbedingungen sich ändern, muss man agieren“, fügte er hinzu. Die Börse nahm die Nachrichten aus Rom positiv auf. Der Kurs der Enel-Aktie stieg in einem insgesamt schwachen Umfeld deutlich an. „Der Markt begrüßt den geplanten Verkauf von Geschäftsanteilen“, sagte ein Analyst.

Conti zeigte sich zuversichtlich, dass die Rating-Agenturen die Kapitalerhöhung und den Verkauf der Unternehmensteile als ausreichend betrachten. „Ausgehend von dem Feedback, das ich bekomme, kann ich sagen, das wir unserer Rating behalten“, sagte der Enel-Chef am Donnerstag. Auch die Investitionspläne für die kommenden Jahre hat Conti angesichts der Krise und der hohen Verschuldung zurückgeschraubt. Mit 32,6 Mrd. Euro will er bis 2013 ein Viertel weniger investieren, als noch vor der Finanzkrise geplant.

Während Enel lange nur gering verschuldet war, hat sich das Unternehmen nicht zuletzt auf Drängen der Investoren mit seiner aggressiven Auslandsexpansion der vergangenen drei Jahre stark über Banken finanziert. Im Februar hatte sich Enel mit dem spanischen Baukonzern Acciona auch auf den Kauf der restlichen 25 Prozent der Anteile am spanischen Versorger Endesa geeinigt und zahlt dafür unterm Strich 9,6 Mrd. Euro. Damit wird die ohnehin schon hohe Verschuldung um rund ein Fünftel auf 61,7 Mrd. Euro ansteigen.

Enel braucht nun dringend Geld: Im kommenden Jahr muss das Unternehmen einen Kredit von elf Mrd. Euro abbezahlen, den es aufgenommen hatte, um die Endesa-Übernahme zu finanzieren. Im gleichen Jahr wäre ursprünglich auch die Option von Acciona für den milliardenschweren Verkauf seiner 25-Prozent-Anteile fällig gewesen. Durch die vorgezogene Einigung hat Enel verhindert, im kommenden Jahr mehr als zwanzig Mrd. Euro zahlen zu müssen. Die neue Finanzierung für die Acciona-Anteile, an der sich 12 Banken beteiligt haben, läuft nun erst 2014 und 2016 aus.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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