Kürzungen bei Verteidigung
Eurocopter liefert weniger Hubschrauber an die Bundeswehr

Das Verteidigungsministerium hat sich mit der EADS-Tochter Eurocopter auf eine deutliche Reduzierung des Hubschrauber-Auftrages geeinigt. Der Konzern zeigte sich erleichtert, dass die Kürzungen nicht schlimmer ausfielen.
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BerlinDie Bundeswehr bekommt weniger Hubschrauber. Verteidigungsministerium und Rüstungsindustrie haben sich auf drastische Kürzungen gegenüber ursprünglichen Verträgen geeinigt. Beide Seiten unterzeichneten eine Absichtserklärung, wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Berlin mitteilte. Die Gespräche über die Reduzierung des Auftrags für den Kampfjet Eurofighter dauern den Angaben des Ministeriums vom Freitag zufolge noch an.

Hintergrund ist die Neuausrichtung der Streitkräfte. Statt der bestellten 122 Transporthubschrauber vom Typ NH-90 werden nur noch 82 geliefert. Von ursprünglich 80 Tiger-Kampfhubschraubern wird die Bundeswehr im Endeffekt 57 abnehmen. Die Industrie zeigte sich erleichtert – sie hatte noch tiefere Einschnitte befürchtet.

Bereits 2011 waren im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Bundeswehr Milliardenkürzungen bei Rüstungsvorhaben angekündigt worden. De Maizière hatte damals erklärt, mit der Reduzierung sollten die Streitkräfte effizienter und effektiver werden.

Das Ministerium teilte nun mit, durch die Umsetzung der Absichtserklärung würden im Verteidigungshaushalt erhebliche Mittel frei. Über deren Höhe wurden zunächst keine Angaben gemacht. Von den Kürzungen ist der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter betroffen, eine Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Auch Eurocopter wollte sich zum Volumen der Kürzungen nicht äußern.

Ein Eurocopter-Sprecher sagte in München: „Wir haben in der Sache hart, aber ausgesprochen konstruktiv miteinander verhandelt.“ Das Ergebnis sei „eine klare Win-win-Situation für beide Parteien“.

In den Verhandlungen musste de Maizière gegenüber seinen Plänen offensichtlich zumindest teilweise zurückstecken. So wollte er die Zahl der Tiger-Hubschrauber ursprünglich von 80 auf 40 halbieren – nun sollen es 57 Stück sein. Dieses Ergebnis wird nach Angaben des Ministeriums dadurch erzielt, dass sich die Industrie verpflichtete, elf bereits gelieferte Hubschrauber des Typs später zurückzukaufen. Bei den NH-90-Modellen konnte der Minister seine Vorstellungen dagegen weitgehend durchsetzen.

Nach Angaben des Ministeriums werden ungeachtet der Kürzungen durch eine Umsteuerung bedeutende Fähigkeiten der Streitkräfte gesichert. So erhalte die Bundeswehr 18 Marinehubschrauber, die aus dem NH-90-Programm abgeleitet seien. Dadurch werde auch die europäische und internationale Kooperationsfähigkeit gestärkt.

Die Anschaffung des auch zur U-Boot-Bekämpfung fähigen hochwertigen Marine-Modells des NH-90 war in den früheren Anschaffungsplänen nicht vorgesehen, hieß es. Ursprünglich sollten die 122 NH-90-Hubschrauber für das Heer geliefert werden.

Von der Rüstungsstreichliste, die de Maiziere im Herbst 2011 im Zuge der Bundeswehrreform vorgelegt hatte, ist nun nur noch der Eurofighter-Auftrag als ungelöstes Problem übrig. Die Verhandlungen über die Reduzierung der Order hätten jedoch mit den Gesprächen über die Hubschrauber nichts zu tun, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Gespräche über die Kampfjets liefen weiter in konstruktiver Atmosphäre. De Maiziere will nur noch 140 statt ursprünglich 177 Jets der Airbus-Mutter EADS abnehmen.

Der Mehrzweckhubschrauber NH-90 wurde im Auftrag von Frankreich, Italien, den Niederlanden und Deutschland entwickelt. Mit ihm können schwere Lasten, Technik oder 20 Soldaten transportiert werden. Der Tiger ist ein moderner zweisitziger Kampfhubschrauber.

Über die Verringerung des Auftrags für den Schützenpanzer Puma, der ebenfalls auf der Liste stand, hatte es bereits kurz nach Beginn der Gespräche mit den Herstellern Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) eine Einigung gegeben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Verringerte Mengen bei den ohnehin schon geringen Stückzahlen bei "fliegendem Militärgerät" zieht automatiosch stark erhöhte Betriebskosten nach sich. U.a. schon auf Grund der geringen Ersatzteilnachfrage sind keine wirtschaftlichen Losgrößen mehr zu erreichen, der Preis für die Ersatzteile wird also auf Grund verschiedener Fertigungstechnischer und Luftfahrtrechtlicher Aspekte gewaltig steigen.
    Letztendlich handelt es sich hier, meiner Meinung nach, nur um Augenwischerei. Die Kosten für die Waffensxsteme werden steigen, die reduzierten Geräte werden der Bw nicht zur Verfügung stehen und die Industrie nimmt zwar mehr ein, hat aber auf Grund der höheren Kosten auch keinen Vorteil davon. Nix win-win, eher ein loose- loose!
    Die Briten sind da, zumindest mit den Kampfjets, schlauer. Sie reduzieren nicht sondern verkaufen ihre Systeme. Ergo: Eine echte Einsparung für die Streitkräfte (und damit für den Steuerzahler)und für die Industrie ändert sich eigentlich nichts.

  • Kürzung? Was sind die echten Gründe? Nur Schwund, Unnötig oNua7rdder zuwenig Schmiergelder an die Politiker?

  • Sind Helikopter nicht ein sehr wichtiges "asset" insbesondere in den heutigen asymmetrischen Konflikten? Die Bundeswehr ist das Sparschwein der Nation. Statt von "level of ambition" müßte man von "level of incapacity" sprechen. Bündnisfähigkeit geht anders!

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