Kunden klagen über alte Modelle und Qualitätsmängel: VW fährt in den USA auf der Rüttelstrecke

Kunden klagen über alte Modelle und Qualitätsmängel
VW fährt in den USA auf der Rüttelstrecke

Auf dem US-Automarkt, dem härtesten der Welt, hat Volkswagen neuerdings wieder einen schweren Stand. Das Qualitätsimage ist verbeult, die Brot-und-Butter-Modelle Passat sowie Jetta und Golf sind veraltet. In dem unvermindert tobenden Preiskrieg in den USA lässt der starke Euro VW wenig Manövrierraum. Obwohl Volkswagen auf Drängen der Händler Ende 2003 die Verkaufsanreize aufstockte und mehr Geld für Werbung ausgab, brach der Absatz in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr drastisch ein.

PORTLAND. Mit 13 205 Fahrzeugen im Januar und 15 407 im Februar lagen die Verkäufe weit unter dem Monatsdurchschnitt von 25 225 Einheiten des vergangenen Jahres.

Volkswagen als Großvater der Importmarken müsse periodisch „bestimmte Lektionen über den US- Markt neu lernen“, sagt Sean McAlinden vom Center for Automotive Research. Wenn Wolfsburg neue Modelle bringe, sei unter der Haube alles neu, „die Japaner schneidern nur die Blechkleider um. Das reduziert Qualitätsprobleme und gibt den US-Autokäufern, was sie wollen: öfter mal etwas Neues.“ Fast 1500 verschiedene Modelle werden von den Automarken der Welt derzeit in den USA angeboten. Um sich in diesem Feld zu behaupten, sagen Analysten, brauche es Styling, Qualität und günstige Preise. „Als Jetta und Passat neu waren, lag VW im Styling noch vorn“, sagt McAlinden.

„Die Modelle sind im siebten Jahr ihres siebenjährigen Produktzyklus“, räumt der Sprecher von Volkswagen of America, Steve Keyes, ein. Aber die runderneuerten Modelle Jetta und Passat, die in den USA die Stückzahlen bringen, kommen erst nächstes Jahr in die USA. Der Geländewagen Touareg und das Beetle Cabrio, beide noch neu, verkaufen sich dagegen gut. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres setzte VW 5 127 Touareg in den USA ab. Der für das zweite Quartal angekündigte Touareg mit V10 TDI-Motor sei praktisch schon ausverkauft, sagt Keyes.

Auf Druck der Händler legte VW mittlerweile auch bei den Verkaufsanreizen zu. Neben subventionierten Leasingraten und Autokrediten können VW- und Audi-Händler alternativ auch Barrabatte bieten. Sie liegen im Schnitt bei 1 500 $ pro Fahrzeug. Das ist deutlich weniger als das, was General Motors, Ford oder Chrysler auf die Haube legen, aber fast doppelt so viel, wie Toyota oder Honda bieten: „VW hat das Pech, gegen den harten Kern der japanischen Marken zu konkurrieren“, sagt McAlinden.

Qualität ist ein weiterer wunder Punkt. Die früher sprichwörtliche Zuverlässigkeit von Volkswagen ist in den vergangenen Jahren in den USA ins Gerede gekommen. Bei der jüngsten Langzeiterhebung der Marktforschungsfirma J.D. Power & Associates rangierte VW fast am unteren Ende, zusammen mit koreanischen Marken.

Audi verzeichnete in den ersten beiden Monaten dieses Jahres ebenfalls empfindliche Absatzrückgänge. Nach Auskunft von Audi- Sprecher Doug Clark lag das zum Teil daran, dass „mit den üblichen Sonderaktionen zum Jahresende“ Verkäufe ins alte Jahr vorgezogen wurden. Der Absatz von über 9 000 Fahrzeugen im Dezember lag erheblich über dem Monatsdurchschnitt von 7 200 Autos, der Absatz im Januar und Februar mit 5 000 bzw. 4 500 Einheiten dafür deutlich darunter. Auf der anderen Seite kommt auch für Audi die Erneuerung des Brot-und-Butter-Modells A6 erst im Herbst, und der Wettbewerb wartet nicht. Audis Jahresabsatz in den USA liegt aber heute wieder bei 85 000 Einheiten, dem alten Rekord von Mitte der 80er-Jahre.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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