Kunden müssen zwölf Prozent mehr zahlen
Eon erhöht die Gaspreise

Erdgaskunden beim Versorger Eon werden bald erneut deutlich stärker zur Kasse gebeten: Am 1. Dezember 2008 hebt das Unternehmen die Preise um rund zwölf Prozent an. Unterdessen hat der Konzern eine drohende Kartellstrafe abgewendet.

HB DÜSSELDORF. Das Unternehmen begründete den Schritt mit den drastischen Preissteigerungen auf den Energiemärkten. So habe der Preis für Erdöl im Sommer ein neues Rekordniveau erreicht. Durch die Kopplung des Erdgaspreises an den Ölpreis seien auch die Beschaffungskosten für Erdgas deutlich gestiegen. Diese gestiegenen Kosten gebe man jetzt weiter.

Erst zum 1. August hatte Eon Mitte die Erdgaspreise um rund 14 Prozent angehoben. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeute dies monatliche Mehrkosten von 15,27 Euro. Eon Mitte versorgt in Hessen, Südniedersachsen, Ostwestfalen und Westthüringen rund zwei Millionen Menschen mit Wasser und Energie, davon 90 000 mit Erdgas.

Derweil hat der Energiekonzern Eon durch finanzielle Zugeständnisse an seine Gaskunden eine drohende Kartellstrafe abgewendet. Eon kündigte am Montag an, seine Kunden unter anderem um 55 Mio. Euro zu entlasten. Eine ursprünglich im Oktober geplante Preiserhöhung werde um zwei Monate verschoben. Ab Dezember müssen Privat- und kleinere Gewerbekunden nun zehn bis zwölf Prozent mehr für Gas bezahlen. Die Kunden der regionalen Vertriebstöchter Eon Avacon, Eon Bayern, Eon edis, Eon Hanse, Eon Mitte und Eon Thüringer Energie bekämen einen Bonus von durchschnittlich 35 Euro gutgeschrieben.

Das Bundeskartellamt stellte das Verfahren gegen die Eon-Töchter daraufhin ein. Es hatte im März ein Verfahren gegen 35 Gasversorger wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Preise eingeleitet. „Wir sind der Ansicht, dass die betroffenen Eon-Gesellschaften überzogene Preise verlangt haben“, sagte die Sprecherin des Kartellamts. Die Zusagen von Eon seien aber angemessen und kämen den Verbrauchern direkt zugute. Damit könne ein langwieriger Rechtsstreit vermieden werden. Ein Sprecher von Eon Energie sagte: „Wir haben nach wie vor unterschiedliche Auffassungen über die angewandten Berechnungen und die rechtliche Einordnung.“ Mit der Einigung habe der Konzern jedoch schnellstmöglich Klarheit schaffen wollen.

Die Gaspreiserhöhungen im Dezember begründete E.ON mit dem im Sommer deutlich gestiegenen Ölpreis. Der Gaspreis ist in Deutschland an den Ölpreis gekoppelt. In den vergangenen Monaten haben zahlreiche Versorger Preiserhöhungen angekündigt.

KARTELLAMT WILL VERFAHREN RASCH ABSCHLIESSEN

Das Kartellamt ermittelt auch gegen Beteiligungen von RWE, Vattenfall und EnBW. In einer bundesweiten Erhebung hatten die Behörde Preisunterschiede von bis zu 60 Prozent ermittelt. „Ein Großteil der Verfahren soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden“, sagte eine Kartellamtssprecherin. Die Wettbewerbshüter können Bußgelder verhängen und Preissenkungen anordnen.

Im Visier hat das Kartellamt RWE-Gesellschaften wie RWE Westfalen-Weser-Ems sowie den Berliner Versorger Gasag, der der E.ON-Tochter Thüga, Vattenfall und Gaz de France gehört, sowie die EnBW-Beteiligung Stadtwerke Düsseldorf. Das Kartellamt wendet dabei das verschärfte Wettbewerbsrecht an. Danach liegt die Beweislast bei den Unternehmen. Sie müssen beweisen, dass ihre Preise angemessen sind.

(Reporter: Tom Käckenhoff, redigiert von Alexander Hübner) REUTERS

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