Kunden prüfen Schadenersatzanspruch
Eon spielt Blackout runter

Nach dem beispiellosen Stromausfall in weiten Teilen Europas versucht der Verursacher Eon die Krise herunterzuspielen, indem das Unternehmen doch noch etwas Gutes am Stromausfall sucht. Doch das wird nichts helfen. Erste Betroffene prüfen schon eventuelle Schadenersatzansprüche.

HB DÜSSELDORF. Der Energieriese Eon hat die Verantwortung für den beispiellosen Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas übernommen. „Ich bin besonders dankbar dafür, dass es nicht schlimmer gekommen ist, weil die Ursache bei E.ON lag“, sagte Eon-Energie-Vorstand Klaus-Dieter Maubach am Montag im ZDF. Eon-Chef Wulf Bernotat fügte hinzu, dass die Stromausfälle aber gezeigt hätten, dass die Versorger in der Lage seien, ein Problem in kürzester Zeit zu beheben. „Die Frage von Entschädigungen steht in diesem Augenblick nicht zur Debatte“, sagte Bernotat.

Der Chemiekonzern BASF prüft indes mögliche Schadenersatzansprüche gegen seinen Stromversorger. Derzeit würden die „vertraglichen Möglichkeiten“ geprüft, sagte eine BASF-Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR). Von dem Stromausfall in Teilen Europas am Samstagabend waren auch Anlagen der BASF auf der zu Mannheim gehörenden Friesenheimer Insel betroffen, wo nach den Angaben die Produktion beeinträchtigt wurde.

Auch der Bund der Energieverbraucher hat Betroffene dazu aufgerufen, sich bei Schäden im Haushalt oder anderen Folgen direkt an die Stromversorger zu wenden. „Man sollte die Schäden auflisten, dokumentieren und dem Versorger in Rechnung stellen“, sagte der Verbandsvorsitzende Aribert Peters. Darüber hinaus empfahl er Stromkunden, ihre Rechnung pauschal um 15 Prozent zu kürzen. „Schließlich zahlen die Verbraucher für die Sicherheit des Stromnetzes“, betonte er. Dafür investierten die Versorger aber nichts.

Bereits am Montagmorgen hatte sich Eon beschwichtigend geäußert. Man sei sich bewusst, dass 10 Mill. Menschen in Europa ohne Strom waren, sagte Vorstandsmitglied Maubach. „Gleichwohl hätte es wesentlich schlimmere Auswirkungen geben können, wenn Europa insgesamt dunkel gewesen wäre und wenn der Zeitraum nicht nur eine Stunde oder anderthalb Stunden gewesen wäre, sondern einen viel längeren Zeitraum überspannt hätte.“ Die europäische Zusammenarbeit habe hervorragend funktioniert.

Der Blackout, durch den Mill. von Menschen am Samstagabend im Dunkeln standen, habe seinen Ursprung in Norddeutschland genommen. Dort hatte die Meyer-Werft in Papenburg eine neues Kreuzfahrtschiff in die Nordsee auslaufen lassen wollen. Deshalb sei eine Leitung über die Ems stillgelegt worden. „Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese Versorgungsstörung - dass wir dort eine Leitung außer Betrieb nehmen mussten und dass dort die Belastungen sich auf andere Leitungen verteilt haben, die später zu Überlastungen geführt haben“, räumte Maubach ein. Am Montagabend will die Werft einen neuen Versuch starten, das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ unter der Leitung hindurch in Richtung Nordsee auslaufen zu lassen.

Nach dem Blackout wurden Rufe nach Konsequenzen laut. Die EU-Kommission in Brüssel forderte eine umfassende Untersuchung der Gründe des Stromausfalls und kritisierte ihn als „nicht akzeptabel“. Die Kommission werde ein Treffen der Regulierungsbehörden einberufen und auch von den Betreibern der Stromnetze eine Überprüfung fordern, kündigte ein Sprecher an. Zudem solle das Thema im Januar von der Europäischen Union (EU) behandelt werden. Die Internationale Energie Agentur (IEA) forderte die Einrichtung einer europäische Regulierungsbehörde, da die Abstimmung zwischen Netz-Gesellschaften und nationalen Regulierern versagt habe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verwies in Berlin darauf, dass die Energiepolitik eines der Schwerpunktthemen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sein werde. „Und wir werden dazu im ersten Halbjahr des kommenden Jahres europäische Beschlüsse fassen müssen. Die bereiten wir vor“, sagte der Minister.

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