Kunststoffverarbeiter
Balda geht weiter von einem Verlust aus

Balda hat trotz schwarzer Zahlen jede Menge Probleme. Das Unternehmen will sich auf Medizintechnik spezialisieren und dafür auf Einkaufstour gehen. Aber weiterhin gibt es Streit um den Verkauf von Anteilen.
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DüsseldorfEin Beteiligungsverkauf hat dem defizitären Kunststoffverarbeiter Balda erstmals seit langem einen hohen Nettogewinn beschert. Für das erste Quartal meldete Vorstandschef Dominik Müser am Donnerstag einen Überschuss von 133,6 Millionen Euro nach mageren 4,4 Millionen vor Jahresfrist. Operativ blieb Balda indes im Minus: Vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel ein Fehlbetrag von 3,1 Millionen Euro (Vorjahr: minus eine Million) an. Die Erlöse schrumpften zudem um rund eine Million auf 12,2 Millionen Euro. Als Grund nannte der Vorstand Auftragsverschiebungen.

Für das Gesamtjahr geht Müser unverändert von einem operativen Verlust in einstelliger Millionenhöhe und einem Umsatz auf Vorjahreshöhe aus, der im fortgeführten Geschäft bei 66,3 Millionen Euro lag. 2012 sei ein Übergangsjahr bei der Neuausrichtung des Unternehmens, betonte er. Balda will sich auf die Medizintechnik konzentrieren und den Bereich durch Zukäufe ausbauen. Akquisition sind vor allem in den USA denkbar. Ziel sei es, die Medizintechnik mittelfristig in eine Umsatzgrößenordnung von mehr als 100 Millionen Euro zu führen. Davon ist Balda allerdings noch weit entfernt: Im ersten Quartal erreichte das Segment einen Umsatz von sechs Millionen Euro, 2011 waren es 6,8 Millionen Euro.

Müser bekräftigte zudem, auch die verbliebene Restbeteiligung am taiwanesischen Touchscreen-Hersteller TPK verkaufen zu wollen. Balda hatte im Februar sein 16-prozentiges Aktienpaket an TPK durch den Verkauf von 20 Millionen Titeln auf 7,6 Prozent reduziert. Dieser im vergangenen Jahr mehrfach verschobene Verkauf hatte Großaktionär Octavian auf den Plan gerufen und auch Kritik von anderen Aktionären hervorgerufen. Der New Yorker Investor hatte dem Balda-Aufsichtsrat Interessenkonflikte vorgeworfen. Das Kontrollgremium habe sich von persönlichen Interessen des Balda-Hauptaktionärs und TPK-Anteilseigners Michael Chiang leiten lassen - zulasten der übrigen Aktionäre. Octavian scheiterte aber Anfang Februar auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit seinem Antrag auf Abberufung des Aufsichtsrates.

Balda will seine erbosten Aktionäre besänftigen und wie versprochen an den Erlösen aus dem Anteilsverkauf beteiligen. Für 2011 sollen sie 1,30 je Aktie erhalten. Das wäre eine Ausschüttungssumme von 76,6 Millionen Euro, knapp ein Drittel des Verkaufserlöses. Zudem soll ein Rumpfgeschäftsjahr von Januar bis Juni 2012 eingeschoben werden. Dadurch könnten noch im laufenden Kalenderjahr weitere Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen an TPK den Aktionären zufließen, hatte Müser erklärt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das Unternehmen ist Top. Ein typischer Handelsblattbericht eines Journalisten ohne know how. Welcher Konzern zahlt schon 22% dividende??

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