Kupferkonzern Kazakhmys
Das kapitalistische Wunder aus der kasachischen Steppe

Dass Kazakhmys auch ein deutscher Kupfer-Konzern ist, weiß kaum jemand. Dabei hat der in Kasachstan beheimatete Buntmetall-Riese vor zwei Jahren in Deutschland eingekauft: Kazakhmys hat die Manfelder Kupfer und Messing GmbH in Hettstedt in Sachsen-Anhalt übernommen. Und der weltweit zehntgrößte Kupferhersteller hat noch eine weitere Überraschung parat

MOSKAU. Nicht Gasgigant Gazprom oder der russische Ölkonzern Lukoil sind das erste voll an Londons Börse notierte Unternehmen aus den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), sondern eben Kazakhmys.

Das kapitalistische Wunder aus der kasachischen Steppe ist nach seinem Börsengang im vorigen Oktober sogar in die Oberliga der internationalen Finanzmärkte aufgestiegen – in den FTSE-100-Index der größten Konzerne Englands. Das Rückgrat dafür bilden solide Zahlen: Allein der Börsengang brachte 1,3 Mrd. Dollar in die Kassen des Konzerns und vor allem in die seiner drei Top-Manager, die nun noch knapp 70 Prozent der Aktien des Unternehmens kontrollieren. Wer im Oktober beim IPO für 5,40 Pfund zugriff, kann sich heute über einen Kurs von mehr als zwölf Pfund freuen.

Die Gründe sind schnell ausgemacht: Kazakhmys ist neben seinem Kupfergeschäft ganz nebenbei noch der viertgrößte Silber-Produzent des Planeten und fördert Gold, Zink sowie andere rare Metalle. Beim Kupfer ist Kazakhmys einer der billigsten Produzenten weltweit. Dies kommt nicht nur wegen der niedrigen Löhne im größten Staat Zentralasiens, sondern vor allem durch die vertikale Integration des Konzerns.

So hat Kazakhmys nicht nur 16 Erzgruben, sowie neun Anreicherungsfabriken, zwei Kupfer- und jeweils eine Schmelze für Zink und für Edelmetalle. Die Kasachen kochen zudem ihr Kupfer mit dem Strom eigener Kraftwerke, die wiederum aus firmeneigenen Kohlegruben versorgt werden. Hinzu kommen eigene Eisenbahnstrecken und Waggons, die das Kupfer ins angrenzende China transportieren.

Das Hettstedter Werk von Kazakhmys hat seit diesem April mit dem erst 25-jährigen und an der Bergakademie Freiberg studierten Metallurgen Zviad Shelia neben dem Geschäftsführer Friedrich Flemming eine zweite Spitze. Die Deutschen mit ihren rund 1 000 Mitarbeitern werten die Übernahme durch den kasachischen Konzern als „Zusammenschluss eines führenden Kupferproduzenten mit einem der innovativsten europäischen Halbzeugwerke“. Tatsächlich will Kazakhmys laut Geschäftsbericht Hettstedt zu seinem deutschen Verarbeitungszentrum machen und hat Millionen für Modernisierungen investieren.

Über allem steht Wladimir Kim, Chairman und mit Abstand größter Aktionär von Kazakhmys. Er will sein Unternehmen zum „BHP Billiton Kasachstans machen“, wie er in Hinblick auf den internationalen Rohstoffriesen sagt. Kim, 45 Jahre alt, promovierter Architekt und 1995 bei der Konzern-Tochter Zhezkazgantsvetmet angetreten, sagt als reichster Kasache von sich: „Ich bin kein Oligarch. Ich liebe zwar London und habe auch einen Firmensitz hierher verlegt. Aber ich kaufe keine Fußballklubs.“ Kim spielt damit auf den russischen Milliardär und FC Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch an.

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