Kupferriese entsteht
Norddeutsche Affinerie kauft belgische Cumerio

Europas größte Kupferhütte, die Norddeutsche Affinerie (NA), und der belgische Konkurrent Cumerio schließen sich zusammen.

dpa-afx HAMBURG. Durch die Maßnahme entstehe der führende integrierte Kupfererzeuger und -verarbeiter in Europa mit einem gemeinsamen Pro-forma-Umsatz von 9,1 Mrd. Euro, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Sonntag in Hamburg mit. Die NA werde hierzu ein öffentliches Übernahmeangebot in bar für alle ausstehenden Aktien von Cumerio unterbreiten und 30,00 Euro in bar je Cumerio-Aktie bieten.

Das Angebot bewerte das Eigenkapital von Cumerio mit 777 Mill. Euro. Der Angebotspreis beinhalte eine Prämie von 28,5 Prozent auf den Schlusskurs der Cumerio-Aktie am 21. Juni 2007 und eine Prämie von 29,8 Prozent auf den volumengewichteten durchschnittlichen Aktienkurs in den drei Monaten bis zum 21. Juni 2007. Auf das Übernahmeangebot werde möglicherweise ein Squeeze-out folgen, wenn NA bis zum Ende der Angebotsfrist mindestens 95 Prozent der Cumerio-Aktien halte.

Das Angebot werde am Montagmorgen bei der belgischen Finanzaufsichtsbehörde Cbfa angemeldet. Beide Unternehmen würden in Summe rund eine Million Tonnen Kupferkathoden pro Jahr erzeugen und rund 4 600 Mitarbeiter beschäftigen. Sowohl in strategischer als auch in geographischer Hinsicht passten sie sehr gut zusammen. Darüber hinaus schaffe der Zusammenschluss eine starke Plattform für eine weitere Internationalisierung. Mit Produktionsstandorten in Deutschland, Belgien, Bulgarien, Italien und der Schweiz entstehe das erste wirklich europäische Kupferunternehmen, das erhebliches Potenzial für eine Optimierung der Auslastung und Produktivität der Anlagen biete. Darüber hinaus eröffne der Zusammenschluss Perspektiven für weiteres Wachstum.

Schließungen von Produktionsstätten sind im Zusammenhang mit der Transaktion nicht vorgesehen. "Der Zusammenschluss ist ideal für beide Unternehmen. Er bietet eine einzigartige Chance, die Konsolidierung in unserem Sektor anzuführen und einen internationalen Marktführer sowie eine Plattform für über Europa hinaus reichendes Wachstum zu schaffen", sagte Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender der NA. "Die Managementteams beider Unternehmen haben viel Kraft und Zeit in diese Transaktion investiert, von der alle Stakeholder profitieren. Die vereinbarten Bedingungen sind sowohl für die Cumerio-Aktionäre als auch für die NA-Aktionäre sehr attraktiv, gleichzeitig sind sie auch vorteilhaft für die Mitarbeiter und die Kunden beider Unternehmen. Unser Angebot eröffnet insbesondere den Aktionären von Cumerio die Möglichkeit, unmittelbar den vollen Wert ihrer Anteile zu realisieren."

"Die geplante Verbindung der beiden Unternehmen wird das Geschäft in den großen westeuropäischen Kernmärkten stärken und eine solide Basis für die weitere internationale Expansion in wachstumsstarken Regionen schaffen. In Südosteuropa haben wir damit bereits begonnen", fügte Luc Delagaye, Vorstandsvorsitzender von Cumerio, hinzu.

Der Hauptsitz des neuen Konzerns wird sich in Hamburg befinden. Eine Servicegesellschaft in Brüssel wird die konzernweite Verantwortung für bestimmte Geschäftsfunktionen übernehmen. Es ist ferner vorgesehen, dass zwei Mitglieder der Unternehmensleitung von Cumerio Mitglied des Vorstands der NA werden. Vorstand und Aufsichtsrat der NA haben zudem beschlossen, zwei derzeitigen Vorstandsmitgliedern von Cumerio den Eintritt in den Aufsichtsrat der NA anzubieten. Diesem Gremium werden zukünftig auch Arbeitnehmervertreter der Standorte außerhalb Deutschlands angehören. Darüber hinaus beabsichtigen die beiden Parteien, Cumerio in die NA zu integrieren, beispielsweise auf dem Wege einer Fusion, und die NA in die Rechtsform einer Societas Europaea umzuwandeln.

Der Zusammenschluss eröffnet der Mitteilung zufolge durch die verbesserte industrielle Aufstellung Chancen für ein beschleunigtes Wachstum. Es werde daher erwartet, dass er erhebliche Wertsteigerungen generieren wird. Darüber hinaus würden nach ersten Schätzungen Synergien von rund 15 bis Euro 20 Mill. pro Jahr und ein positiver Effekt der Transaktion auf das Ergebnis je Aktie erwartet.

Zur Finanzierung des Barangebotes stellen die Deutsche Bank und Barclays Capital eine vollständig garantierte Brückenfinanzierung zur Verfügung. Ein Teil der Verbindlichkeiten soll nach Vollzug des öffentlichen Übernahmeangebots durch eine Kapitalerhöhung refinanziert werden.

Der Aufsichtsrat der NA hat der Transaktion zugestimmt. In Übereinstimmung mit belgischen Übernahmerichtlinien wird die Transaktion nach Konsultation der Betriebsräte von Cumerio dem Verwaltungsrat von Cumerio zur formellen und endgültigen Empfehlung vorgelegt.

Das Angebot steht unter dem Vorbehalt üblicher Bedingungen einschließlich der Zustimmung durch Fusionskontrollbehörden in der EU und der Schweiz sowie einer Mindestannahmequote. Die Angebotsunterlage wird nach der Genehmigung durch die Fusionskontrollbehörden der EU und der Schweiz veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Angebotsfrist beginnen. Daher wird der Vollzug der Transaktion für das dritte oder vierte Quartal 2007 erwartet.

Die NA wird bei der Transaktion von der Deutsche Bank AG und Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. Cumerio wird von der UBS Investment Bank und von Linklaters De Bandt beraten.

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