Kursrückgang
Thyssen-Spitze lässt sich nicht beirren

Es ist ein wenig wie verhext: Trotz guter Zahlen und Ergebnissen, die immer wieder die Erwartungen übertreffen, verliert die Aktie von Thyssen-Krupp stetig an Wert. Diese Entwicklung passte einigen Topmanagern des Unternehmens überhaupt nicht – sie bewiesen durch massive Zukäufe Vertrauen in den eigenen Konzern.

DÜSSELDORF. Thyssen-Krupp bekommt jetzt den Fluch seiner jüngsten Erfolge zu spüren. Obwohl der Düsseldorfer Stahl-, Investitionsgüter- und Dienstleistungskonzern am Freitag erneut die Erwartungen der Finanzmärkte klar übertroffen hat, brach der Aktienkurs zu Handelsbeginn zunächst um mehr als fünf Prozent ein. Damit weiteten sich die Kursverluste seit Juli auf 20 Prozent aus.

Eine übertriebene Reaktion, fanden offenbar einige Topmanager von Thyssen-Krupp und deckten sich zu günstigen Einstandspreisen mit Aktien ein. Das sagte Finanzvorstand Ulrich Middelmann am späten Freitagnachmittag auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zugleich kündigte er an, dass Thyssen-Krupp die Aktienkäufe des Managements entsprechend den Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes unverzüglich veröffentlichen werde.

Das Vertrauen der Vorstände in das eigene Unternehmen sprach sich schnell herum. Am Schluss der Börsensitzung zählte Thyssen-Krupp zu dem halben Dutzend Kursgewinnern im Deutschen Aktienindex Dax, der insgesamt knapp 1,5 Prozent im Vergleich zum Vortag einbüßte.

An den Zahlen, die der Konzern vorlegte, gab es in den Augen von Marktbeobachtern nichts auszusetzen. Mit einem Gewinn vor Steuern (EBT) von 1,2 Mrd. Euro hat Thyssen-Krupp von April bis Juni das bisher beste Quartalsergebnis seit der Fusion der beiden Ruhrgebietsunternehmen vor acht Jahren erzielt. Außerdem hat der Konzern den Mittelwert der Analystenprognosen um 200 Mill. Euro übertroffen.

Allerdings lässt die Gewinndynamik nach. Zwar beträgt das Ergebnisplus im Vergleich zum Vorjahresquartal 51 Prozent, aber gegenüber dem zweiten Quartal des noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2006/07 schrumpfte der Gewinnzuwachs – wenn man die Kartellstrafe für die Aufzugssparte in Höhe von 480 Mill. Euro außen vorlässt – auf nur noch knapp 15 Prozent.

Von diesem Hintergrund hob Konzernchef Ekkehard Schulz die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr nur moderat an. Er setzte das Ziel vor Kartellstrafe, einem Restrukturierungsaufwand von 75 Mill. Euro in der Umformtechnik und dem Buchgewinn von 115 Mill. Euro aus dem Verkauf der Konzernzentrale in Düsseldorf von bisher 3,5 auf 3,6 Mrd. Euro herauf. Da Thyssen-Krupp nach neun Monaten bereits ein Vorsteuerergebnis vor Einmaleffekten von knapp 3,3 Mrd. Euro – und damit fast 700 Mill. Euro mehr als im gesamten Vorjahr – eingefahren hat, rechnet der Vorstand im aktuell laufenden vierten Quartal offenbar nur noch mit einem Konzernergebnis von 300 Mill. Euro.

Die meisten Analysten sind da deutlich zuversichtlicher. Michael Broeker vom Frankfurter Finanzdiensleister Steubing beispielsweise traut Thyssen-Krupp ein Jahresergebnis vor Sondereffekten von mehr als 3,8 Mrd. Euro zu. Zu einem nahezu identischen Resultat kommt Hermann Reith von der BHF-Bank. Dabei sei schon berücksichtigt, dass die Edelstahlsparte nach einem Ergebnis von fast 300 Mill. Euro von April bis Juni im Schlussquartal operativ höchstwahrscheinlich rote Zahlen schreiben werde, sagte der Experte. Grund hierfür seien eine dramatisch rückläufige Nachfrage und ein starker Preisdruck. Christian Obst von Unicredit in München geht sogar davon aus, dass sich die Schwäche in der Sparte Edelstahl noch zu Beginn des neuen Geschäftsjahres negativ in der Bilanz niederschlagen wird.

Dies dürfte Thyssen-Krupp aber kaum aus der Bahn werfen. Konzernchef Schulz peilt für 2006/07 einen Umsatz mehr als 50 (Vorjahr: 47) Mrd. Euro an. Durch massive Investitionen vor allem in den Ausbau der Stahlproduktion und -weiterverabeitung in Brasilien und den USA peilt Schulz mittelfristig einen Umsatz von 65 Mrd. Euro und ein Ergebnis von bis zu fünf Mrd. Euro an. In den kommenden fünf Jahren will Thyssen-Krupp 18 bis 20 Mrd. Euro investieren, 60 Prozent davon im Stahl.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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