Kursschwankungen
Mit dem Ölpreis verfallen auch die Petrochemie-Margen

Ein niedriger Ölpreis ist nicht unbedingt gut für die Chemiekonzerne, die den Rohstoff verarbeiten. Das Beispiel Lyondell-Basell zeigt die Kehrseite der Kursschwankungen.

FRANKFURT. Erdöl oder, genauer gesagt, das daraus raffinierte Rohbenzin (Naphtha) ist für die Chemieindustrie der mit Abstand wichtigste Rohstoff. Wie stark der Ölpreis als Kostenfaktor durchschlägt, hängt allerdings stark von den jeweiligen Produktsegmenten ab. Je höher veredelt die Chemieprodukte sind, desto geringer wird der Einfluss. Viele Spezialchemiehersteller sind daher vom Ölpreis nur sehr indirekt betroffen. Eine sehr gewichtige Rolle spielt er dagegen in der Petrochemie, das heißt auf den ersten zwei bis drei Produktionsstufen nach dem Erdöl. Aber auch hier gilt nicht etwa die einfache Gleichung: Niedrige Ölpreise sind gut, hohe Ölpreise sind schlecht für die Ertragslage.

Entscheidender ist die Frage, in welche Richtung sich der Preis bewegt. Schwierig sind vor allem starke Schwankungen. Und besonders gefährlich kann ein rapider Verfall des Ölpreises wirken, wie das Beispiel des angeschlagenen Chemiekonzerns Lyondell-Basell zeigt.

Das Unternehmen, das Ende 2007 aus der Fusion von Basell und Lyondell entstand und nur ein Jahr später für einen Großteil seiner Aktivitäten Insolvenzantrag stellen musste, gehört zu den führenden Herstellern von Standardkunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen und betreibt darüber hinaus eine eigene Raffinerie. Er dürfte damit zu den größten Erdölverarbeitern im Chemiesektor gehören. Ähnlich wie die meisten anderen Petrochemie-Unternehmen generierten auch Lyondell und Basell in der Phase stetig steigender Ölpreise ab 2001 relativ solide Ertragszuwächse. Schwierig wurde es für den Konzern erst mit dem sprunghaften Anstieg des Ölpreises bis zum Sommer 2008 und besonders dramatisch mit dem nachfolgenden Einbruch der Rohölnotierungen.

Hintergrund ist die Tatsache, dass die Preise von chemischen Basisprodukten wie etwa Ethylen und Propylen sowie der daraus abgeleiteten Kunststoffe mit dem Ölpreis atmen. Solange die Ölpreissteigerungen nicht extrem ausfallen, können sie in der Regel weitergegeben werden. Dies führt dazu, dass die Chemiemargen in Phasen hoher Ölpreise tendenziell besser ausfallen als bei niedrigen Ölpreisen.

Im Falle rückläufiger Preise kommt für die Chemiekonzerne das gravierende Problem hinzu, dass Abnehmer weitere Preissenkungen antizipieren und daher zunächst ihre Lagerbestände abbauen. Dies wiederum dämpft die Mengennachfrage und verstärkt den Preisdruck. Solche Effekte entpuppten sich im zweiten Halbjahr 2008 durch die Kombination von Ölpreis-Einbruch und Konjunkturflaute als extrem. Bei Lyondell-Basell führte das dazu, dass man umfangreiche und teuer gekaufte Ölbestände nur noch teilweise weiterverarbeiten und verkaufen konnte. Das heißt, mit den rückläufigen Ölpreisen konnte Lyondell-Basell ähnlich wie fast alle Petrochemiehersteller zunächst einmal gar nichts anfangen. Die Folge waren hohe Vorratsabwertungen und ein starker Einbruch bei Gewinn und Cash-Flow, was den ohnehin sehr hoch verschuldeten Konzern Anfang Januar schließlich zwang, mit seinen US-Aktivitäten unter Gläubigerschutz zu flüchten.

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